Berlin - Mit der Transparenz ist es schon wieder vorbei am geplanten Flughafen BER. Als am Freitag der Aufsichtsrat in Schönefeld über neue Geldspritzen und Personalquerelen beriet, war eines ausdrücklich nicht vorgesehen: Eine ausführliche Information der Öffentlichkeit an Ort und Stelle. Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister und kommissarisch wieder Vorsitzender des Aufsichtsrates, wollte die Ergebnisse der Sondersitzung nicht selbst verkünden, anders als bisher sein Nachfolger und Vorgänger auf dem Posten, der wegen Krankheit zurückgetretene Matthias Platzeck (beide SPD).

Wowereit knüpft damit an frühere Zeiten an, die mit der vorerst letzten Startverschiebung für den BER im Januar eigentlich hatten vorüber sein sollen. Damals hieß es, um das Pannenprojekt voranzubringen und dessen Image zu retten, sei mehr Offenheit notwendig.

Wowereit beschränkte sich darauf, die zerstrittenen Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB), Hartmut Mehdorn und Horst Amann, zur Kooperation aufzurufen. „Wir erwarten vom Aufsichtsrat, dass eine Geschäftsführung sich professionell verhält und dass man zusammenarbeitet“, sagte er beim Herausgehen.

Der Konflikt zwischen den beiden wichtigsten Männern am BER schwelt damit weiter. Mehdorn und sein Technikvorstand Amann sind sich mittlerweile so spinnefeind, dass sie nach Angaben von Gewährsleuten kaum noch miteinander reden. An den täglichen Besprechungen im neuen Terminal, bei denen es um Fortschritte – und öfters noch um Stillstand – beim Bau geht, nimmt Amann demnach nur selten teil. Mehdorn wiederum hat offenbar Versuche aufgegeben, Amann auf Kurs zu bringen.

Schwere Vorwürfe gegen Mehdorn

Als vergeblich erwies sich bisher die Hoffnung der drei staatlichen Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund, die beiden FBB-Vorständler mögen sich zusammenraufen. Man wartet nun eher ab, ob einer der Kontrahenten die Nerven verliert und aufgibt – oder ob sich eine Möglichkeit zur Trennung ohne Millionen-Abfindung ergibt. In beiden Fällen würde das wohl Horst Amann treffen, denn Mehdorn genießt bei den Gesellschaftern noch das größere Vertrauen.

Das liegt vor allem an Amanns ungeschicktem Auftreten. Mit einem Brief an den Aufsichtsrat hatte er vorige Woche Aufsehen erregt: In dem Schreiben erhob er schwere Vorwürfe gegen Mehdorn. Dieser hatte seinen Technikchef wiederholt als zu zögerlich kritisiert. Bremser gegen Blender, so lauten die wechselseitigen Anschuldigungen. „Im Grunde müsste man beide rausschmeißen“, hieß es in der FBB-Aufsicht. Alle wissen aber auch, dass das teuer würde und keines der technischen Probleme gelöst wäre.

Um diese ging es eigentlich bei der Sondersitzung des Aufsichtsrates: Für eine Aufrüstung des Computernetzwerks im BER (Local Area Network, LAN) hatte Mehdorn zusätzlich elf Millionen Euro beantragt. Fünf Millionen Euro soll ein Umbau der Sprinkleranlage kosten, sechs Millionen sind für weitere Bauleistungen geplant. Die Brandschutzanlage, die zu kompliziert ist und den Start mehrmals verzögert hat, gilt nach wie vor als ungelöstes Hauptproblem. Ob bis Jahresende Klarheit bestehe, wie und wann es zu beheben ist, sei völlig offen, hieß es am Freitag in Schönefeld.