Flughafen BER: 39 Gebäude fertig, eines nicht - TÜV gibt Entrauchungsanlage frei

Schönefeld - Das „Monster“ ist bewältigt. Die Steuerung der Entrauchungsanlage, das wohl komplexeste Projekte auf der an komplexen Projekten so reichen Dauerbaustelle BER, ist vom TÜV final abgenommen worden. Das teilte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Dienstag mit. Damit sei ein Meilenstein erreicht, sagte er. Doch es bleiben Hürden und offene Fragen.

Die Brandmeldeanlage des BER bleibt ein Problem

Allen Unkenrufen zum Trotz halten die Flughafenplaner am avisierten Eröffnungstermin Herbst 2020 fest. Wie es aus der Flughafengesellschaft FBB heißt, gebe es genügend Puffer für den Fall, dass manche Arbeiten länger dauerten, als bisher angenommen. Dennoch setze man bewusst enge Zeitfenster, um den Druck auf die ausführenden Unternehmen hochzuhalten.

Aus Flughafenkreisen heißt es, dass die Steuerung der Entrauchungsanlage schneller abnahmefähig war als geplant. Die Anlage steuert im Alarmfall die Lüftung, sie öffnet die Fenster, verriegelt die Aufzüge und aktiviert automatische Durchsagen.

Ein Problem bleibt die Brandmeldeanlage, zu der auch Sprinkler gehören. Sie ist noch nicht abnahmefähig – im Juni soll es soweit sein. Bei den Kabelgewerken und der Sicherheitsbeleuchtung müssten dagegen noch Mängel beseitigt werden. Wie es von der FBB heißt, ist als Abnahmetermin Juli vorgesehen.

BER-Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup legt Klage gegen Sebastian Czaja ein

Sollten alle Termine eingehalten werden, kann die FBB den Zeitplan einhalten, den sie 2017 dem BER-Aufsichtsrat vorgelegt hat: Demnach soll die sogenannte Wirkprinzipprüfung (WPP) im Juli beginnen und im Oktober beendet sein. Bei dieser Prüfung, die maßgeblich vom TÜV durchgeführt wird, wird das Zusammenspiel der verschiedenen Anlagen getestet. Mit bestandener WPP schaltet die Flughafengesellschaft eine sogenannte Baufertigstellungsanzeige. Mit der Nutzungsfreigabe des Terminals – alle anderen 39 Gebäude des BER sind schon frei – wird im Frühjahr 2020 gerechnet. Einer Inbetriebnahme im Herbst stünde somit nichts im Weg. So die Theorie. Doch beim BER sind schon viele Theorien an der Wirklichkeit zerschellt.

Zuletzt waren Zweifel aufgekommen, ob Tausende verbaute Kunststoff-Dübel tatsächlich geeignet und damit genehmigungsfähig sind. Wie berichtet, ist beim Landesamt für Bauen und Verkehr in Cottbus eine Genehmigung beantragt.
Inzwischen ist auch der politische Ton rauer geworden. So hatte FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja Flughafenchef Lütke Daldrup als „notorischen Lügner“ bezeichnet. Czaja ließ die Frist für eine Unterlassungserklärung verstreichen. Stattdessen sagte er: „Die Reaktion des Flughafen-Chefs zeigt doch, wie es um den Flughafen wirklich steht.“ Jetzt hat Lütke Daldrup Klage vor dem Landgericht Hamburg eingereicht.