Übernächstes Jahr. 2017. Nie. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht öffentlich gerätselt wird, wann der BER in Betrieb gehen könnte – was der Flughafen dann als „wirre Spekulation“ abtut. Mehr als 900 Tage sind vergangen, seitdem die für den 3. Juni 2012 geplante Flughafen-Eröffnung abgesagt wurde. Wie sieht die Lage heute aus?

Ist eine Eröffnung 2016 noch möglich? Wohl kaum. Zu viel ist noch zu tun, und auf den wesentlichen Problemfeldern haben BER-Technikchef Jörg Marks und seine Leute noch viel Arbeit vor sich. Intern geht man beim Flughafen davon aus, dass der BER frühestens 2017 ans Netz geht.

Wie sieht die Bilanz aus? Auf den ersten Blick gut: Von den 40 Gebäuden sind 39 fertig und freigegeben, von 52 übergeordneten Systemen sind 51 in Betrieb. Doch das zentrale Fluggastterminal ist und bleibt ein einziger Problembereich. Im Herbst waren von den 16 900 festgestellten Mängeln an der Brandschutzanlage erst 23 Prozent behoben. In 21 der 29 Baufelder müssen Hohlräume in der Decke saniert werden, 65 Prozent der Arbeiten stehen noch an. Für viele nötige Umbauten und für die Umgestaltung der Entrauchungsanlage, die bei Feuer Qualm ableiten soll, gibt es weder endgültige Pläne noch Genehmigungen.

Was wird derzeit im BER getan? Wieder einmal sind Teams im Terminal unterwegs, um sich mit den Mängeln zu befassen – es ist nicht das erste Mal seit 2012. Am 16. Oktober fingen sie an, über 500 Mitarbeiter (größtenteils von externen Firmen) gehören dazu. Anders als frühere Teams sollen sie die Baufehler aber nicht nur dokumentieren, sondern auch kleinere Mängel beheben.

Was steht als Nächstes an? Die Flughafengesellschaft arbeitet an zwei Nachträgen zur Baugenehmigung, damit auch die großen Probleme behoben werden können. Im ersten Nachtrag geht es um die mechanische Entrauchungsanlage im Terminal. So soll die größte Anlage, Nummer 14, in kleinere Einheiten geteilt werden. Dieser Antrag soll im Frühjahr 2015 fertig sein – von Mai ist die Rede. Im zweiten Nachtrag geht es um weiteren Umbauten im Terminal – zum Beispiel der Kabeltrassen. Das zuständige Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald muss sich auch damit befassen, dass die 5 000 Räume neu nummeriert werden mussten. Der zweite Nachtrag soll im Sommer 2015 eingereicht werden. Abgesehen davon sind laut Flughafen weitere Planungen erforderlich – was bis November 2015 dauern könnte.

Was bedeutet das für den Zeitplan? Das Amt wird einige Monate brauchen. Sollte es die Anträge genehmigen, gehen weitere Monate ins Land – für die europaweite Ausschreibung der Aufträge. Vor der Inbetriebnahme des Terminals steht ein Probebetrieb an, der 30 Wochen dauert. Dass der BER frühestens 2017 fertig wird, ist seit diesem Sommer klar. Das war einer der Gründe dafür, warum Klaus Wowereit schon im August ankündigte, dass er nicht mehr Regierender Bürgermeister sein will. Er wusste: Vor der nächsten Wahl, die für Herbst 2016 vorgesehen ist, wird es nichts mehr mit dem Flughafen.

Wann verfallen die Genehmigungen? Die Genehmigung fürs Terminal verliert am 30. Oktober 2016 ihre Gültigkeit. Die Baugenehmigung für das Pier Nord gilt ab 18. Februar 2015 nicht mehr, die für das Pier Süd am 10. August 2016. Neue Verfahren wären nötig, bei denen noch mehr Regelungen zu beachten wären. Darum wird hinter den Kulissen daran gearbeitet, dieses Desaster zu verhindern. Inzwischen ist man in Kreisen der BER-Gesellschafter zuversichtlich, dass man es schafft. Eine Möglichkeit wäre es, die Brandenburgische Bauordnung zu ändern – durch einen Gesetzentwurf der rot-roten Koalition im Potsdamer Landtag.

Muss man das Terminal abreißen? Klar ist: Im zentralen Gebäude sitzt der Wurm. Frühere Flughafenchefs forderten immer wieder Umplanungen und Erweiterungen. Es entstand ein Chaos, bei dem zuletzt fast 70 Planungsbüros mitmischten. Die Terminalfläche wuchs um 64 Prozent. An die Brandschutzsysteme wurden immer neue Teile angestückelt, die Zahl der Brandschutzklappen stieg von 300 auf 3 000. Die Rettungswege verlängerten sich teils auf 140 Meter – normal sind 90. Ende 2012 waren 146 000 Baumängel dokumentiert, 55 000 Pläne gibt es vom Terminal. Trotzdem glauben die Planer, dass sie das Terminal fertigbekommen. Technik-Chef Jörg Marks: „Dass einige jetzt eine ‚Kernsanierung‘ fordern, ist aus meiner Sicht nur mit Unkenntnis der konkreten Situation zu erklären.“