Die Berliner Flughäfen haben einen neuen Geschäftsführer. Am Dienstag hat Engelbert Lütke Daldrup, bisher Flughafenkoordinator des Landes Berlin, seine Arbeit aufgenommen. Er kündigte an, dass er spätestens im Sommer einen Zeitplan zur BER-Eröffnung vorlegen will. Doch mit seinem Wechsel nach Schönefeld sind noch nicht alle Personalprobleme am Flughafen gelöst. Berlin muss vier Aufsichtsratsposten besetzen.

Zudem wurde am Dienstag bekannt, dass es vor Lütke Daldrups Wahl im Aufsichtsrat längst nicht so einvernehmlich zugegangen ist wie später dargestellt wurde. „Die Vertreter des Bundes wollten nicht für ihn stimmen“, hieß es im Umfeld des Gremiums. Manager aus der Wirtschaft hätten sich beworben, und erst sollte mit ihnen gesprochen werden, so der Bund.

Mühlenfeld bekam mehr Gehalt

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und andere Beteiligte hatten mit möglichen externen Kandidaten telefoniert – sich dabei aber stets einen Korb geholt. So will Michael Clausecker, einst bei Siemens und Bombardier, Chef der Rheinbahn in Düsseldorf bleiben. Mit Thomas Weyer, bis 2008 am BER und seitdem Technik-Chef am Flughafen München, stand man kurz vor einer Einigung – aber dann machte er einen Rückzieher. Offenbar wurden aus Zeitdruck jedoch nicht alle Chancen ausgelotet.

Beim Bund hätten sich Interessenten gemeldet, wurde in Aufsichtsratskreisen berichtet. „Sie kamen zum Teil aus der Luftfahrtbranche“, hieß es. Einige hätten mitgeteilt, dass sie erst in einigen Monaten wechseln können.

Dem Vernehmen nach wollten die Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat, die Staatssekretäre Werner Gatzer (Finanzen) und Rainer Bomba (Verkehr), Lütke Daldrup zunächst nicht mittragen. Doch der Berliner Staatssekretär habe klar gemacht, dass er nur an diesem Montag als Flughafenchef zur Verfügung stünde – danach nicht mehr. Unterstützung bekam er von den Arbeitnehmervertretern. Gatzer und Bomba telefonierten mit ihren Ministerien. Erst kurz vor 14 Uhr gab Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) grünes Licht, und schließlich wurde Lütke Daldrup doch noch einstimmig zum Chef gekürt.

Die schnelle Lösung war nötig, um am BER für Kontinuität zu sorgen, hieß es im Senat. Lütke Daldrup sei alternativlos. Bomba stand nicht zur Verfügung. Headhunter loszuschicken oder Externe abzuwerben, hätte ein halbes Jahr gedauert, sagte Müller.

Lütke Daldrup soll bis Ende 2019 Vorsitzender der Geschäftsführung bleiben. Er bekommt weniger Gehalt als sein Vorgänger, der pro Jahr fast eine halbe Million Euro verdiente. Für pensionierte Bundesbeamte wie Lütke Daldrup gilt eine Beschränkung.

Seinen ersten Arbeitstag begann der neue Flughafenchef mit einem Blick in die Zukunft: Bis Sommer wolle er einen Plan für die Fertigstellung der Bauarbeiten am BER präsentieren, sagte Lütke Daldrup im RBB-Inforadio. „Wir werden dann intensiv diskutieren, wann der richtige Zeitpunkt ist, einen belastbaren, auf Herz und Nieren geprüften Fahrplan für die Inbetriebnahme vorzulegen. Da werde ich mich heute nicht festlegen.“

Damit war klar: Der Neue nimmt sich Zeit. Noch im Januar hatte der Regierende Bürgermeister gefordert, dass die Flughafengesellschaft im Frühjahr einen Zeitplan bis zur Eröffnung des BER vorlegt. Doch Lütke Daldrup will nur Termine nennen, die er einhalten kann. Bei Mühlenfeld war das offenbar anders: Berichten zufolge habe er intern Termine gesetzt, die schwer zu halten waren.

Wie berichtet wird es auch im Aufsichtsrat Änderungen geben. Müller hat sich zurückgezogen, als neuer Vorsitzender steht der Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD) zur Verfügung. Mit Müller und Lütke Daldrup verlassen auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Dirk Behrendt (Grüne) das Gremium. Damit sind alle vier Posten, die Berlin zustehen, vakant.

Hofreiter fordert zwei Externe

Erste Namen sind im Gespräch. So könnte Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei, in den Aufsichtsrat gehen. Auch Bau-Staatssekretär Sebastian Scheel wird als Kandidat gehandelt. Die Grünen fordern, auch externe Fachleute zu holen.

„Am besten zwei echte Fachleute: Einer kennt sich mit dem Betrieb von Flughäfen aus, der andere mit Großprojekten“, sagte Anton Hofreiter, Vorsitzender der Grünen-Bundestagsfraktion, am Dienstag. Zusammen mit zwei politisch Verantwortlichen wäre das für Berlin die „klügste Mischung“, sagte er. „Wir haben die Chance, den Aufsichtsrat umzugestalten – wir sollten sie nutzen.“ Und was meint Hofreiter zu Lütke Daldrup? „Er hat Erfahrung mit der Verwaltung und mit schwierigen Projekten. Kein schlechter Mann.“