Der Schallschutz für die Anwohner des zukünftigen Hauptstadtflughafens BER könnte abermals teurer werden. Am Donnerstag stellte die Schutzgemeinschaft Umlandgemeinden ein Gutachten vor, das sie beim Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Auftrag gegeben hat. Demnach wurde der Bedarf an Schalldämmung für viele Häuser nicht korrekt ermittelt.

„Ich kann nur an die Flughafengesellschaft appellieren: Nehmen Sie das ernst“, sagte der Anwalt der Schutzgemeinschaft, Michael Hofmann. Er kündigte an, die Ansprüche sonst per Klage durchzusetzen. Zweimal gelang das bereits, und die Flughafengesellschaft musste nachbessern.

Schall dringt durch Ziegel

Die Fraunhofer-Experten haben drei wesentliche Schwachstellen in den sogenannten Anspruchsermittlungen identifiziert. So dringe der niedrigfrequente Anteil des Fluglärms sehr viel leichter durch viele Materialien – etwa Ziegeldächer –, als es in den Gutachten angenommen wird. Zudem sei nicht ausreichend berücksichtigt worden, in welchem Winkel der Schall einfällt. „Wir haben das an zwölf repräsentativen Häusern durchgerechnet. Die Fehler kommen fast überall vor“, sagte IBP-Chef Philip Leistner.

Eine weitere Schwachstelle: Bislang seien keine ausreichenden Maßnahmen vorgesehen, um Schimmelbefall in Häusern zu verhindern, in denen einige Räume gedämmt sind, andere aber nicht. „Dadurch entstehen kühlere Stellen an den Wänden, die feucht werden“, erklärte Leistner.