Flughafen BER: Schluss mit dem Chaos - stellt endlich mehr Personal ein!

Wieder ein Großereignis, das den BER auf den Prüfstand gestellt hat. Und wieder fällt er durch. Das ganze Land spottet über die Hauptstadt. Schluss damit! 

Ein Bild von Anfang Juli dieses Jahres, aber so aktuell wie damals: lange Schlangen am BER. 
Ein Bild von Anfang Juli dieses Jahres, aber so aktuell wie damals: lange Schlangen am BER. Berliner Zeitung/Markus Wächter

Aktuell ist die Lage am BER wieder einmal besonders katastrophal – ewig lange Schlangen, geschlossene Schalter, entnervte Passagiere. Zahlreiche von ihnen sind vier Stunden vor Abflug gekommen, viele haben ihren Flug trotzdem verpasst. Manche waren auf Spurensuche nach verlorenem Gepäck.

Dabei sind die Sommerferien längst vorbei. In den vergangenen Monaten gab es Meldungen über Trubel an vielen deutschen Flughäfen wegen coronabedingter Personalknappheit. Nun gab es einen anderen Grund für das Chaos am BER: den Berlin-Marathon. Knapp 50.000 Menschen sind ihn gelaufen – dass viele von ihnen Freunde und Verwandte aus aller Welt eingeflogen haben und es am Flughafen deshalb eben voller würde als sonst, war absehbar. Für viele zumindest – offensichtlich nicht für die Zuständigen am BER.

Wer meint, in den nächsten Tagen würde die Lage sich wieder beruhigen, täuscht sich. Tatsächlich hat der Geschäftsführer des Flughafens, Thomas Hoff Anderson, angekündigt, auch an den kommenden Wochenenden solle es wieder voll werden. Am Montag ist Tag der Deutschen Einheit, viele Menschen werden über das verlängerte Wochenenden verreisen. Mit 290.000 Passagieren rechne der Flughafen für diese Tage, erklärte Hoff Anderson. Allein am Montag sei mit 75.000 Fluggästen zu rechnen. Sein Tipp lautet daher: Zweieinhalb Stunden vor Abflug am Flughafen sein. Doch das wirkt auf die Betroffenen mittlerweile fast wie Hohn.

Ein Flughafen muss sich auf Großstadtevents vorbereiten

Viele Menschen finden sich sogar drei oder vier Stunden vor Abflug ein und verpassen trotzdem ihren Flug. Kein Wunder: Wenn man anderthalb Stunden bei der Gepäckaufgabe und anschließend eine Stunde lang an der Sicherheitskontrolle ansteht, kann diese Rechnung nicht aufgehen. Währenddessen sind beim Check-in teilweise zwei von acht Schaltern geöffnet. Das Personal wirkt so überfordert, dass sich Beobachter fragen müssen, ob es nicht gerade erst angelernt wird. Aber vor allem fällt auf: Es gibt in beinahe allen Bereichen zu wenig Personal.

Es ist der erste Reisesommer nach der Pandemie, und das macht sich bemerkbar. Viele Mitarbeiter der am BER ansässigen Fluggesellschaften wurden entlassen, als niemand flog – offensichtlich kann sich die Branche dem Markt also flexibel anpassen. Dann sollte es doch ebenso möglich sein, die Personalzahlen nun wieder auf das Niveau von 2019 anzuheben. Und wenn das qualifizierte Personal aktuell fehlt, dürfte man von Airlines wohl erwarten, dass sie ein Interesse daran haben, dass der Flugverkehr auch am Boden reibungslos funktioniert. 

Stellt mehr Personal ein – und wenn es fehlt, dann schult eben neues!

Stattdessen werben die Beteiligten um das Verständnis der Menschen, die als zahlende Kunden eine Dienstleistung in Anspruch nehmen wollen, für die sie im Zweifelsfall lange gespart haben. Das ist einfach, aber weder richtig noch gerecht. Am 8. November wird es zwei Jahre her sein, dass der letzte Flieger vom TXL abhob, dem einstigen Lieblings viel Vielflieger. Es wird ein trauriges Jubiläum dieses Jahr. Weil erst jetzt klar wird, wie sehr Berlin einen Alternativ-Flughafen bräuchte. 

Wenn man die Sicherheitskontrolle passiert, um zu hören, dass das Gate gerade geschlossen hat, ist der Urlaub für viele bereits ruiniert, bevor er angefangen hat. Auch bedeuten zwei Wochen Karibikurlaub ohne Koffer unter Umständen eher Stress als Entspannung. Daher hier schon einmal ein Hinweis für alle Zuständigen: Am 24. Oktober beginnen in Berlin die Herbstferien. Es könnte voll werden am Flughafen.