Ein normales Bauprojekt war der Hauptstadtflughafen BER noch nie – es ist also folgerichtig, dass die Flughafengesellschaft (FBB) in dieser Woche weitere Details ihrer Ausbauplanung für den Flughafen veröffentlicht, auch wenn die Fertigstellung womöglich noch Jahre dauert. Schließlich geben die Berliner in weniger als vier Wochen ihr Votum zur Offenhaltung des Flughafens Tegel ab – und einer der Hauptvorwürfe an den Senat lautet, er trage nicht genügend Sorge für Berlins Anbindung an den Luftverkehr. Diese Sorge will Flughafen-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup, der bis Anfang des Jahres als Flughafenkoordinator in der Senatskanzlei tätig war, zerstreuen.

„Wir haben die denkbaren Alternativen geprüft und uns für die beste Alternative entschieden“, sagte er am Montagabend während einer Veranstaltung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Der Masterplan 2040 ist in seinen Grundzügen seit Juli bekannt. Da stellte Lütke Daldrup dem Aufsichtsrat vor, was sich seine Planer in den vorangegangenen Monaten überlegt hatten. Bis 2035 will er die Kapazität des BER von 22 auf 55 Millionen Passagiere pro Jahr ausbauen. Das soll nach derzeitigen Prognosen der FBB reichen.

Mehr Läden, mehr Einnahmen

2,3 Milliarden Euro soll das Ausbauprogramm kosten, also etwas mehr als ein Drittel der gegenwärtig kalkulierten Baukosten. Zunächst würden demnach die vorhandenen Gebäude optimiert. Bis 2021 soll die Gepäcksortierung erweitert werden, vor dem Pier Nord ein separater Abfertigungsbereich entstehen. Außerdem ist die Verlängerung dieses Gebäudeteils geplant.

Bis 2025 käme dann eine weitere Verlängerung des Nordpiers hinzu. Gegenüber vom Hauptterminal, wo heute auf einer Wiese Blümchen wachsen, will die Flughafengesellschaft das Terminal 2 errichten. Flugzeuge können dort nicht andocken – schließlich befände sich das Gebäude mitten im Flughafengelände, weit weg vom Rollfeld. Doch es gäbe dort weitere Abfertigungskapazitäten – und viel Platz für weitere Geschäfte, was die Wirtschaftlichkeit des BER verbessern würde.

Bis 2030 soll Terminal 2 dann vergrößert werden, zudem bekäme der Südpier eine Verlängerung. Die Kapazität des BER beliefe sich dann auf 48 Millionen Passagiere. Im letzten Schritt will die Flughafengesellschaft ein Satellitenterminal auf dem Rollfeld bauen, das über das Hauptterminal erreichbar wäre.

Lütke Daldrup erklärte am Montag, der Plan sei relativ günstig und vor allem praktikabel. „Um am vorhandenen Standort zu bauen, brauchen wir kein neues Planfeststellungsverfahren, das spart uns Jahre.“ Er versicherte, der Ausbau werde vollkommen anders ablaufen als der Bau des BER. „Es gibt nichts schönzureden, wir haben dort eine Baukatastrophe“, sagte er. Darum würden die neuen Bauten definitiv mithilfe eines Generalunternehmers fertiggestellt, die Flughafengesellschaft werde diese Aufgaben nicht selbst übernehmen.

Außerdem soll eine einfache Bauweise Kosten und Zeit sparen. „Es wird sich um gehobene Industriebauten handeln“, erklärte Lütke Daldrup. „Sie werden anständig aussehen und deutlich attraktiver sein als die Anbauten in Tegel und Schönefeld.“ Allerdings werde man auf komplexe technische Lösungen wie im BER-Terminal verzichten.

Der Flughafenchef äußerte sich auch zum Zeitplan für die BER-Eröffnung. Ein detaillierter Terminplan sei „so gut wie fertig“ und werde in den nächsten Wochen mit den wichtigen Baufirmen am BER abgestimmt. „Ich werde mich in diesem Jahr auf einen Termin festlegen“, versicherte Lütke Daldrup.

Eine wesentliche Aufgabe sei weiterhin die Modellierung der Sprinkleranlage. Hier fehlte bislang der Nachweis, dass alle 78.000 Sprinklerköpfe ausreichend mit Wasser versorgt werden. „Das ist eine Sisyphos-Arbeit“, sagte der Flughafenchef. Bis Ende des Jahres werde sie abgeschlossen.