Begeisterung für den neuen Flughafen BER sieht anders aus. Derzeit starte Norwegian vom jetzigen Schönefelder Airport SXF, „und wir sind glücklich damit“, sagte Johan Bisgaard Larsen von der skandinavischen Fluggesellschaft. „Wir sind in Gesprächen. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, teilte ein Sprecher der Condor mit. Wenn es darum geht, wer für eine Teileröffnung des BER in Betracht kommt, fallen bei der Flughafengesellschaft immer wieder die Namen dieser beiden Airlines. Doch aktuelle Nachfragen ergaben, dass beide Unternehmen offenbar noch über einen Umzug nachdenken. Auch wann der Nordpier als erster Teil des BER-Terminals den Betrieb aufnimmt, ist noch immer völlig offen.

Das Ziel ist klar. Flughafenchef Hartmut Mehdorn will den nördlichen Flügel des neuen Schönefelder Empfangsgebäudes möglichst bald in Betrieb nehmen. Um zu zeigen, dass das Pannenprojekt BER nach langer Agonie endlich vorankommt. Und um Abläufe, die später im großen Maßstab tadellos funktionieren müssen, schon mal im kleinen Kreis trainieren zu lassen. Mit vielleicht 2 000 Passagieren pro Woche sowie einem Dutzend Starts und Landungen pro Tag. So ist es geplant, bekräftigt Mehdorn am Montag. Viele Details seien aber noch zu klären.

Zum Beispiel: Wenn es tatsächlich zu der geplanten Teileröffnung kommt – welche Airlines werden als erste zum Flughafen BER wechseln? Inzwischen ist flughafenintern auch von Germania die Rede – einer kleinen Airline, die derzeit von Tegel aus pro Woche fünf Ziele in der Türkei, im Libanon und in Ungarn ansteuert. Meist werden aber vorrangig Norwegian und Condor genannt, die beide deutlich größer sind.

Es wären zwei vielversprechende Kandidaten. Norwegian gilt als eine der erfolgreichsten, am stärksten expandierenden Billig-Airlines Europas. Condor ist in Schönefeld die zweitgrößte Fluggesellschaft und steuert von dort rund 50 Mal pro Woche 17 „Warmwasserziele“ an – Urlaubsregionen am Mittelmeer.

Momentan nur Busse

Mit einer Nachricht, dass Norwegian vom alten zum neuen Schönefelder Airport umzieht, könne er jedoch derzeit nicht dienen, sagte Johann Bisgaard Larsen von Norwegian. „Was in der Zukunft passiert und wann dies geschieht, müssen wir noch sehen.“ Auch die Condor blieb vage. Auf Detailfragen wiederholte man dort, was bereits mitgeteilt wurde: „Wir sind in Gesprächen.“ Germania ist sogar noch zurückhaltender. „Bitte haben Sie Verständnis, dass Germania zu einem Umzug an den neuen Hauptstadtflughafen BER aktuell keine Stellung nehmen möchte“, so ein Sprecher.

Beobachter sagen, dass die Zurückhaltung auch etwas mit den Kosten und Risiken eines vorzeitigen Umzugs zum BER zu tun haben könnte. Darüber werde offenbar noch gesprochen, heißt es. Pionier-Airlines würden sich für ein Experiment mit ungewissem Ausgang zur Verfügung stellen, die Nahverkehrsverbindung von Berlin zum neuen Flughafen sei schlecht – S- und Regionalbahnen dürfen derzeit keine Fahrgäste zum BER-Bahnhof befördern. Eine gute Ausgangsbasis, um zumindest vorübergehend einen Nachlass bei den Flughafengebühren zu fordern. „Ein vorzeitiger Umzug wäre nur sinnvoll, wenn die Kosten sinken“, heißt es in der Branche. Doch etablierte Gesellschaften wie Air Berlin oder Lufthansa sehen mögliche Rabatte mit Argwohn.

Teileröffnung vielleicht erst 2014

Am Montag wurde berichtet, dass die ersten Fluggäste am 15. Dezember im BER-Nordpier einchecken können. Hartmut Mehdorn wollte das am Montag jedoch nicht bestätigen. „Wir werden sehen, ob wir im Dezember, im Januar oder im Frühjahr 2014 beginnen“, sagte er. „Wir befinden uns noch in der Konzeptionsphase.“ Wenn eine Teileröffnung extrem viel Geld kosten würde, „machen wir das nicht“. Auch die Verkehrsanbindung stünde nicht fest.

Offenbar sind noch nicht alle technischen und baulichen Fragen beantwortet. Das geht aus dem Protokoll der jüngsten Sitzung der Sonderkommission BER im Bundesverkehrsministerium hervor, das der Berliner Zeitung vorliegt. Zwar bemühe man sich um eine Abnahmegenehmigung und der Landkreis Dahme-Spreewald sei bereits mit im Boot, dennoch sei eine vorzeitige Teilinbetriebnahme des Nordpiers „schwierig“ und „kritisch zu sehen“, sagte der Technikchef der Flughafengesellschaft Horst Amann der Kommission unter Vorsitz von Staatssekretär Michael Odenwald am 6. Juni. Laut Amann werde auch eine Variante geprüft, die eine Teileröffnung zu einem anderen Zeitpunkt vorsieht – zum Beispiel zum Flugplanwechsel März/ April 2014.