Noch immer ist offiziell ungewiss, wann der Flughafen BER endlich öffnet. Doch schon jetzt steht fest, dass er wachsen muss – und wie. Am Dienstag gab Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup neue Zahlen bekannt.

So soll die Zahl der Check-in-Schalter bis 2040 von 118 auf 179 steigen. Statt 70 soll es künftig 121 Gates geben, an denen die Passagiere zu den Flugzeugen gelangen. Die Zahl der Kontrollstellen, an denen Sicherheitsleute Fluggäste und ihr Handgepäck kontrollieren, soll von 36 auf 74 steigen. Und die Gesamtlänge der Gepäckbänder wächst von 580 auf 1550 Meter. „Das ist fast eine Verdreifachung“, sagte der Flughafenchef.

Nicht kleckern, sondern klotzen: Das ist die Devise des Masterplans BER 2040, den die Flughafengesellschaft FBB erarbeitet hat – und von dem nun weitere Einzelheiten vorgestellt wurden. Mit einer blumigen Garnierung: „Der Masterplan ist unser Kompass, unsere Vision, wie wir unser Unternehmen entwickeln wollen“, sagte Lütke Daldrup.

„Wir wollen ein Signal aussenden: Berlin weiß, dass der Luftverkehr wächst“, und der Flughafen stelle sich darauf ein. „Damit soll Vertrauen in den Luftverkehrsstandort zurückgewonnen werden.“ Vertrauen, das offensichtlich beschädigt worden ist.

Problem lange vernachlässigt

Der BER ist zu klein: Über Jahre hinweg haben Flughafen-Manager das zentrale Problem des Milliardenprojekts negiert, die Lösung aufgeschoben. Wenn der neue Flughafen bald in Betrieb ginge, könnten dort nur 22 Millionen Fluggäste pro Jahr abgefertigt werden – dabei hatte allein Tegel im vergangenen Jahr genauso viele Nutzer.

Doch erst nachdem Hartmut Mehdorn 2013 Flughafen-Chef geworden war, wurde das Problem angesprochen. Weitere vier Jahre vergingen, bis ein Konzept vorlag: der Masterplan. In mehreren Schritten soll der BER leistungsfähiger werden – bis 2030 rund 48 Millionen und 2040 zirka 55 Millionen Fluggäste pro Jahr möglich sind.

„Air Berlin zeigt, dass die Zahlen nicht immer nur nach oben gehen“, so Lütke Daldrup. Je nachdem, wie sie sich entwickeln, könne der BER flexibel wachsen. Steigt es weiter an, sollen die Gebäudeflügel verlängert werden, wird gegenüber vom Willy-Brandt-Platz das Terminal 2 gebaut.

Nach 2030 soll ein „Satellit“ entstehen, der mit dem übrigen Flughafen mit einem Bauwerk verbunden wird, das Platz für Läden und Gastronomie hat. „Für Funktionen, die ins zentrale Terminal T 1 nicht mehr hineingequetscht werden können“, sagte Lütke Daldrup. Die Mietflächen werden „wichtige Erlösquellen“ für den Flughafen sein.

Ein weiterer Terminalsatellit, der per Tunnel angeschlossen wird, könnte westlich davon entstehen. Dieser Riegel werde aber nicht dafür gebraucht, die Fluggastkapazität weiter zu steigern, sondern die Zahl der „Andockstellen“ für Flugzeuge zu erhöhen – was den Betrieb stabiler macht. Derzeit könnten am BER die Hälfte der Flugzeuge nur per Bus erreicht werden. Künftig soll der Anteil auf 25 Prozent sinken, hieß es.

Bis zu 65.000 Arbeitsplätze

2040 soll es am neuen Flughafenstandort 30.000 Parkplätze geben, sagte Lütke Daldrup am Dienstag weiter. Ein Personentransportsystem auf Stelzen soll die geplanten Parkhäuser im Osten des BER-Geländes mit dem Terminal 2, eventuell auch mit dem zentralen Terminal verbinden.

„Welche Technik eingesetzt wird, steht noch nicht fest“, sagte der Flughafenchef. Geprüft wird unter anderem ein Cable Liner wie in Venedig – eine waagrechte Seilbahn mit Kabinen, die mit Hilfe eines Stahlseils bewegt werden.

„Wir planen nicht nur einen Flughafen, sondern auch eine Verkehrsdrehscheibe“, so Lütke Daldrup. Am „Airgate“, wie die östliche Endstation des Transportsystems heißt, entsteht eine Fernbushaltestelle. Im Bahnhof unter dem zentralen Terminal sollen auch ICE-Züge halten – wofür die Bahn aber noch keine konkreten Pläne hat.

Zum BER wird eine Stadt mit Büros, Hotels, Kongresssälen gehören, die Airport City. Heute arbeiten in Tegel und Schönefeld 21.000 Menschen – am BER werden es 55.000 bis 65.000 sein. Derzeit werden an den Flughäfen drei Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaftet – am BER werde die Wertschöpfung acht Milliarden bis neun Milliarden Euro pro Jahr betragen, so Lütke Daldrup. Der BER ist nicht nur ein Problem, sondern auch eine Chance: Das hat man schon lange nicht mehr gehört.