Berlin - Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) will ihre frühere Geschäftsführung für Bauverzögerungen und Mehrkosten am Flughafen BER in Haftung nehmen. Der Aufsichtsrat beschloss am Mittwoch in Schönefeld, Schadensersatz vom Ex-Chef Rainer Schwarz und dem früheren Technikvorstand Manfred Körtgen einzufordern. Schwarz werde fristlos entlassen, sagte der Vorsitzende Matthias Platzeck. Die dafür rechtlich notwendigen „wichtigen Gründe“ ergäben sich aus dem Gutachten einer Anwaltskanzlei. Sie sollten die Schuldfrage klären.

Nach Ansicht von Juristen ist die Kündigung von Schwarz jedoch problematisch: Sie muss laut Gesetz „innerhalb von zwei Wochen erfolgen“, nachdem der Arbeitgeber von den maßgeblichen Tatsachen erfahren hat. Die Vorwürfe gegen den Ex-Chef stehen aber schon lange im Raum. Schwarz war im Januar als Geschäftsführer freigestellt worden – nach der Absage des BER-Starttermins Oktober 2013. Sein Vertrag läuft bis 2016. Das Grundgehalt betrug zuletzt 318.000 Euro jährlich, hinzu kamen knapp 250.000 Euro sonstige Bezüge.

Platzeck will „Frieden in der Region“

Körtgen war bereits im Mai 2012 entlassen worden; ihm wurden vor allem die technischen Pannen angelastet, die damals die fest geplante Eröffnung des Großflughafens verhinderten. Die Terminverschiebungen führen zu Mehrkosten in Millionen- oder Milliardenhöhe. Platzeck wollte keine näheren Angaben zu den Vorwürfen gegen Schwarz und Körtgen machen, weil die FBB mit juristischen Auseinandersetzungen rechnet. Diese könnten sich über Jahre hinziehen.

Der Konflikt zwischen dem neuen FBB-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn und Körtgen-Nachfolger Horst Amann wurde derweil vertagt. Platzeck sagte nur: „Die beiden Herren sitzen nebeneinander und agieren zusammen.“ Mehdorn hatte kaum verhohlen Kritik an Amann geübt. Die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund stellten deshalb klar, weitere Personalwechsel kämen nicht in Frage.

Eine Ablösung Amanns wäre teuer, er hat einen Fünf-Jahres-Vertrag und rund 320 000 Euro Jahresgehalt. Das ergibt sich nach Informationen der Berliner Zeitung aus dem Jahresabschluss 2012, den Mehdorn am heutigen Donnerstag vorstellt. Ex-Manager kosten die staatseigene FBB ohnehin hohe Beträge: Für Pensionen wies der Geschäftsbericht 2011 fast eine halbe Million Euro aus.

Beraten wollten die Aufseher auch darüber, ob das Urteil für einen strengen Schallschutz angefochten wird. Platzeck warb für „Frieden in der Region“.

Urteil zu Routen am Freitag

Ein weiteres Urteil über die Flugrouten über Müggelsee und Wannsee ist für Freitag angekündigt. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg befasste sich gestern mit Details wie Lärmbelastung, Vertrauensschutz und Alternativrouten. Geklagt haben Anwohner und Naturschutzverbände, die die Flugrouten für rechtswidrig halten, weil es für sie keine gesonderte Umweltverträglichkeitsprüfung gab.