Schönefeld/Berlin - Am gestrigen Dienstag hatten die Planer des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) erstmals seit langem wieder eine gute Nachricht zu verkünden. „Die vier Tests, denen die BER-Brandschutzanlage heute unterzogen worden ist, waren dem Augenschein nach erfolgreich“, so Flughafensprecher Ralf Kunkel. Siemens bestätigte dies.

Doch damit steht noch nicht mit Sicherheit fest, dass der Flughafen tatsächlich am 17. März 2013 eröffnet werden kann. „Es gibt außer dem Brandschutz noch weitere Themen, an denen intensiv gearbeitet werden muss“, erfuhr die Berliner Zeitung aus Gesellschafterkreisen. „Der Eröffnungstermin 17. März ist nicht tot. Aber manch einer kann sich gut vorstellen, dass er nicht gehalten wird.“

Am 16. August will der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft mit dem neuen Technik-Geschäftsführer Horst Amann darüber beraten, ob der Termin zu schaffen ist – oder ob die Eröffnung zum dritten Mal verschoben werden muss.

Knapp ein Dutzend Mal ist die Brandschutzanlage des Terminals in den vergangenen Wochen erprobt worden. Am Dienstag war der Nordteil des Hauptpiers der Schauplatz. Bei den Heißgasrauch-Tests ging es nach Informationen der Berliner Zeitung um zwei Fragen.

Notstromanlage im Mittelpunkt

Frage Nummer eins: Wenn der Strom ausfällt – wie schnell kommt die Notstromanlage, die dann die Entrauchung und die starken Lüfter versorgen soll, auf Touren? Frage Nummer zwei: Wie schnell müsste sie auf Touren kommen, damit sich der Rauch während der Unterbrechung nicht wieder ausbreitet?

Bei bisherigen Tests brachten die Notstromaggregate nach 15 Sekunden die volle Leistung. Das genügte dem Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald nicht. Es fürchtete, dass die Unterbrechung zu lange dauert und Rauch ins Terminal zurückströmt. „Doch bei den Tests am Dienstag zeigte sich, dass dies bei einer 15-Sekunden-Unterbrechung nicht der Fall ist – übrigens auch nicht nach 20 und 30 Sekunden“, sagte ein Flughafenplaner. Damit zeigten zumindest diese Erprobungen, dass die Notstromanlage nicht umgebaut werden muss.

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Es sei auch nicht notwendig, die Entrauchungsanlage umzugestalten – zum Beispiel, indem größere Rauchkanäle eingebaut werden. Das hätte den Eröffnungstermin 17. März in Gefahr bringen können.

Eröffnung erst im Sommer 2013?

Die Messergebnisse der letzten Erprobungen vor der Aufsichtsratssitzung sollen in den nächsten zwei bis drei Wochen detailliert ausgewertet werden. Sie werden eine Grundlage der Einschätzung sein, die vom neuen Technik-Chef Horst Amann am 16. August erwartet wird – wobei weiterhin ungewiss ist, ob er sie dann schon abgeben wird. Amann wechselt zwar offiziell erst am 1. August vom Flughafen Frankfurt/Main nach Schönefeld, doch er hat bereits viele Akten und Pläne des BER studiert.

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Berichten zufolge war der Ingenieur zuweilen erschrocken über das, was ihm dabei unter die Augen kam. Die technische Gebäudeausrüstung des Terminals krankt offenbar auch in anderen Bereichen. „Nun kommt es ganz entscheidend darauf an, ob die zusätzlichen Themen nacheinander abgearbeitet werden müssen oder ob sie gleichzeitig behoben werden können“, hieß es in Gesellschafterkreisen.

Im letzteren Fall ließe sich der Termin 17. März noch halten. An der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) sind die beiden Bundesländer sowie der Bund beteiligt.

„Wenn Herr Amann sagt: Den 17. März schaffen wir, dann muss das auch wirklich klappen“, so die Einschätzung. „Wenn er sagt: Wir brauchen noch bis zum Sommer 2013, dann wird der Aufsichtsrat ebenfalls nicken“ – und dann müssen Planer und Politiker noch einmal einen öffentlichen Aufschrei ertragen.