Berlin - Die künftigen Flugrouten stehen fest, das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) rechnet nicht mehr mit größeren Streckenänderungen. Jetzt wird untersucht, wie der Flugbetrieb dort gestaltet werden soll – zum Beispiel, ob auf einigen Strecken nachts und frühmorgens längere Flugpausen möglich sind. „Wir suchen nach Möglichkeiten, Betroffene von Fluglärm zu entlasten, ohne Routen ändern zu müssen“, sagte die Vorsitzende der Fluglärmkommission, Kathrin Schneider, nach der Sitzung am Montag. Eine Arbeitsgruppe, in der das BAF und die Deutsche Flugsicherung vertreten sind, soll dies bis Jahresende ermitteln.

Dabei geht es unter anderen darum, ob der Betrieb vor und nach dem Nachtflugverbot, das von Mitternacht bis 5 Uhr gilt, auf die Südbahn des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) beschränkt werden könnte. Die Nordbahn, deren Startrouten mehr Menschen belasten und zudem Berlin betreffen, wäre ab 23.30 Uhr und bis 5.30 Uhr für Starts und Landungen tabu. Dieser Plan gehört zu dem Sieben-Punkte-Programm, das Brandenburgs Infrastruktur-Staatssekretär Rainer Bretschneider vorgelegt hat. Flughafenchef Rainer Schwarz hat keine Bedenken gegen eine solche „Lärmpause“: „Ich halte das für möglich.“

Verkehr bündeln

Das gelte auch für die Forderung, Flugkapitänen vorzuschreiben, sich länger als sonst strikt an die Routen zu halten. So würde der Verkehr stärker gebündelt und der Lärm nicht so sehr in der Fläche verteilt. Die Fachleute sollen nun prüfen, ob für den BER sonn- und feiertags eine ähnliche Regelung wie derzeit für Tegel möglich sei, sagte Kathrin Schneider. Dort gilt an diesen Tagen, dass nach Osten startende Jets die vorgegebenen Flugrouten je nach Abschnitt erst in einer Höhe von 7000 oder 8000 Fuß (2,1 oder 2,4 Kilometer) verlassen dürfen. Normalerweise ist eine Freigabe bereits ab 5000 Fuß (1,5 Kilometer) erlaubt. In der Potsdamer Landesregierung hält man es für denkbar, dass sich die Piloten bei Starts nach Osten bis in eine Höhe von 7 500 Fuß strikt an die Routen halten, bei Starts nach Westen gar bis in 9000 Fuß Höhe.

Die Kommission, die am 21. Mai wieder tagt, will auch den Lärm vor den Landungen mildern. Für die Strecken, die zu den geradlinig auf den BER zielenden Anflugrouten führen, wird eine größere Mindesthöhe angestrebt. Bei den 4000 Fuß, die heute gelten, solle es nicht bleiben.

Für Starts in Richtung Osten werden bis Ende 2012 neue Routen geprüft. Dazu gibt die Flughafengesellschaft nun eine Studie in Auftrag, die sie mehr als 500.000 Euro kostet. Darin geht es um die Frage, ob gleichzeitig startende Flugzeuge wie in München ohne Probleme für die Sicherheit über eine längere Strecke hinweg parallel fliegen könnten – dadurch würde unter anderem Zeuthen von Lärm entlastet.

Schwarz kündigte an, dass die Zahl der Lärm-Messstellen „freiwillig“ erhöht werde. Statt zwölf werde es 17 geben . Neue Standorte kämen unter anderem in Kienitzberg, Waltersdorf und Blankenfelde hinzu.