Neue Mitglieder – und ein neuer Chef: Von Freitag an tagt der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft FBB in einer neuen Besetzung. Wie jetzt bekanntgeworden ist, hat die Gesellschafterversammlung des Staatsunternehmens in der vergangenen Woche zwei Umbesetzungen beschlossen. Zudem wird der Flughafen-Aufsichtsrat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) aller Voraussicht nach zum neuen Vorsitzenden wählen.

Die erste Änderung, die von der Gesellschaftervesammlung besiegelt wurde, betrifft die Berlin-Bank in dem Gremium. Finanz-Staatssekretärin Margaretha Sudhof gehört dem Aufsichtsrat nicht mehr an – damit ist Berlin ausschließlich mit Männern vertreten. Engelbert Lütke Daldrup, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, hat den Posten übernommen.

Mangel an Diplomatie

Der Bauexperte und Stadtplaner, der nun auch als Berliner Flughafenkoordinator fungiert, sollte ursprünglich Vorsitzender werden. Doch dem Vernehmen nach waren nicht alle Aufsichtsräte damit einverstanden. Lütke Daldrup gilt als sehr durchsetzungsfähig. Doch ihm wird auch nachgesagt, dass es ihm an diplomatischem Geschick, das im Aufsichtsrat mit seinen oft widerstreitenden Interessen unabdingbar ist, zuweilen mangelt.

Die zweite Änderung betrifft die Brandenburg-Bank. Gabriela Pantring, die dem Vorstand der Investitionsbank des Landes Brandenburg angehört, erhöht dort die Frauenquote auf stolze 50 Prozent. Die gebürtige Niedersächsin löst den früheren Daimler- und Rolls-Royce-Manager Axel J. Arendt ab, der dem Gremium erst seit 2014 angehörte. Er hatte darauf gehofft, dass er den Vorsitz übernimmt – es kam anders.

Den Vorsitzenden wählt der Aufsichtsrat aus den eigenen Reihen. Als sicher gilt, dass am Freitag Michael Müller gekürt wird. Er wollte den Flughafen-Aufsichtsrat ursprünglich verlassen. Brandenburgs Regierungschef Michael Woidke (SPD) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der den dritten FBB-Gesellschafter repräsentiert, würden dem Gremium schließlich auch nicht angehören.

Doch Ende April vollzog der Regierende eine Kehrtwende – und kündigte an, dass er im Aufsichtsrat bleiben und den Vorsitz übernehmen will. Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider, bisher amtierender Vorsitzender, bleibt diesem Gremium erhalten.

Wo sollen die Passagiere hin?

Am Freitag will sich der Aufsichtsrat mit der Kapazität des BER befassen. Entscheidungen sollen aber erst im September fallen. Wie berichtet, ist das Terminal, das nach korrigierten Berechnungen nur noch Platz für 22 bis 27 Millionen Fluggäste pro Jahr hat, zu klein. Schon 2014 wurden in Berlin 28 Millionen Fluggäste abgefertigt, für 2017 wird mit 33 Millionen gerechnet – dann soll der BER öffnen. Die Flughafengesellschaft plant nun, die jetzigen Schönefelder Terminals weiter zu nutzen. Dafür sind Umbauten nötig, die in diesem Jahr beginnen müssten. Mittelfristig müssten aber am BER weitere Terminalgebäude entstehen, hieß es.

Es müsse sorgfältig geplant werden, sagte Flughafenkoordinator Bretschneider der Berliner Zeitung. „Die Prinzipien heißen: eines nach dem anderen – nichts darf dem BER schaden. Die FBB hat eine begrenzte Planungskapazität. Wir müssen aufpassen, dass wir sie nicht überfrachten. Keine Wolkenkuckucksheime, keine Visionen, die schön anzusehen sind, aber keinen realen Hintergrund haben.“