Berlin - Mängel beim Brandschutz waren bei Weitem nicht das einzige Problem vor der – inzwischen abgesagten – Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg (BER). Auch in fast allen anderen Bereichen lagen die Arbeiten hinter dem Zeitplan zurück – zum Teil sogar erheblich. Das geht aus dem Controllingbericht der Flughafengesellschaft hervor, der der Berliner Zeitung in Auszügen vorliegt. Der Bericht wurde dem Aufsichtsrat am 20. April präsentiert. Er zeigt eindringlich, wie weit die Planer und Bauleute von den Terminvorgaben entfernt waren. Wenn der BER am 3. Juni eröffnet worden wäre, wäre er in weiten Teilen noch lange eine Baustelle gewesen. Der Bericht weist nur sehr wenige Gewerke aus, die im Zeitplan lagen.

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So hätte die Sicherheitstechnik zum Stichtag am 16. März zu 95 Prozent komplett sein sollen – also fast vollständig. Stattdessen war sie nur zu 78 Prozent fertig, heißt es auf Seite 23 des Berichts. Probleme gebe es zum Beispiel bei der Türsteuerung, die sich insgesamt auf einem „kritischen Weg“ befindet. Anders gesagt: Sie funktionierte nicht.

„Fortwährende planerische Anpassungen“ hätten dazu geführt, dass die Arbeiten an der Gebäudeautomation ebenfalls im Rückstand lagen. Statt zu 90 Prozent sei sie nur zu 75 Prozent fertig. Erhebliche Differenzen zwischen den Vorgaben und dem Erreichten listet der Bericht auch für Aufzüge und Fahrtreppen, Starkstromanlagen, die Datentechnik, Tischlerarbeiten sowie für die Bodenbeläge auf.

Aufsichtsrat wusste Bescheid

Bei Orientierungs- und Leitsystemen, Malerarbeiten und Stahlrohrkonstruktionen wird ebenfalls festgestellt, dass die Vorgaben nicht eingehalten wurden. Nicht einmal die Fliesenarbeiten, zum Beispiel in den Toiletten und Waschräumen, lagen im Plan. Wegen „fehlenden bzw. verzögerten Vorleistungen“ gebe es auch dort Defizite, schreiben die Projektsteuerer WSP und CBP auf Seite 21 ihres Controllingberichts.

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Der Aufsichtsrat wusste also Bescheid. Während der Sitzung habe es einige Fragen gegeben, sagte ein Mitglied des Gremiums am Montag der Berliner Zeitung. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Wowereit (SPD) habe nachgehakt, ob der BER tatsächlich wie angekündigt am 3. Juni eröffnet werden könne. Doch die Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz und Manfred Körtgen hätten erneut bekräftigt, dass sich der Termin halten lasse. Ein „störungsarmer Betrieb“ werde möglich sein, auch wenn noch nicht alles fertig ist, so Körtgen später. „Mehr als fragen und nachhaken können wir als Gremium nicht“, sagte das Aufsichtsratsmitglied.

„In unterschiedlichen Bereichen gab es Zeitverzüge“, bestätigte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Er sprach von „vielfältigen Problemen“, die sich auch im Probebetrieb gezeigt hätten. Einer Inbetriebnahme des Flughafens am 3. Juni hätten sie aber nicht im Wege gestanden. „Es war die fehlende Genehmigung der Brandschutzanlage, die das verhindert hat“, sagte Kunkel.

Am Mittwoch berät der Flughafen-Aufsichtsrat über die Zukunft der Flughafen-Chefs und über einen neuen Eröffnungstermin. Nach Informationen der Berliner Zeitung schließen die Planer nicht aus, dass der BER erst Ende März 2013 öffnet. Dazu äußerte sich Kunkel nicht. „Aber für uns ist klar: Die nächste Terminangabe muss zuverlässig sein.“