Berlin/Schönefeld - Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat eingeräumt, dass der geplante Eröffnungstermin für den Großflughafen in Schönefeld ein weiteres Mal kippen könnte. Eine Garantie für den 27. Oktober 2013 könne zurzeit von keiner Seite gegeben werden, sagte Wowereit am Donnerstag im Abgeordnetenhaus auf eine entsprechende Frage der Grünen-Fraktion. Völlige Sicherheit gebe es erst, wenn die Betriebsgenehmigung erteilt sei. Die Inbetriebnahme des Flughafens war bereits mehrfach verschoben worden.

Der Senatschef und Vorsitzende des Flughafen-Aufsichtsrats begründete seine Einschätzung damit, dass es in wenigen, aber wichtigen Teilbereichen des Baus nach wie vor riesige Probleme gebe. Das gelte vor allem für die Brandschutzanlage. Zurzeit liefen noch Verhandlungen mit den Baufirmen, weshalb nicht alle Arbeiten wie geplant wieder begonnen worden seien.

Er hoffe, dass die Gespräche demnächst abgeschlossen und die Bautätigkeiten bis Mitte Januar wieder ganz aufgenommen werden könnten, sagte Wowereit. Ab Juni müssten umfangreiche Tests die Funktionsfähigkeit aller Bereiche unter Beweis stellen.

EU will in der kommenden Woche entscheiden

Am Rande der Parlamentssitzung ergänzte Wowereit, dass der Eröffnungstermin weiterhin stehe. Es gebe zurzeit keinen Grund, den Termin zu kippen, sagte er der Berliner Zeitung. Allerdings scheint dem Senatschef die technische Umsetzung der Brandschutzanlage zunehmend Sorgen zu machen. In ungewöhnlich deutlicher Form nahm er die ausführenden Unternehmen in die Verantwortung.

„Es liegen noch schwierige Aufgaben vor uns – und da sind natürlich die am Bau beteiligten Firmen in der Pflicht. Es sind viele große Namen darunter und wir haben schon die Erwartung, dass deren Techniker die Probleme lösen“, sagte er, ohne die Namen der Firmen zu nennen. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass Bosch und Siemens die elektronische Steuerung der Brandschutzanlage weiterhin nicht in den Griff bekommen.

Bereits am Vortag hatte Wowereit nicht mehr ausgeschlossen, dass der Bau noch teurer werden könnte. Der zuletzt von den Flughafen-Eignern Berlin, Brandenburg und dem Bund beschlossene Zusatzetat von 1,2 Milliarden Euro werde eventuell nicht reichen. Nachforderungen von Baufirmen hätten den Finanzpuffer verkleinert. Wenn Gerichte anordnen, dass den betroffenen Bürgern ein umfassenderer Lärmschutz bezahlt werden muss als vorgesehen, reichten die Reserven nicht.

Nächste Woche will die EU-Kommission entscheiden, ob sie die jüngste Finanzspritze genehmigt. Tut sie das nicht, droht der Flughafengesellschaft die Zahlungsunfähigkeit.