Krisenkommunikation ist ein lukratives Feld für zahlreiche Berater in Deutschland. Doch alle zusammen dürften kaum so viel Erfahrung auf ihrem Gebiet haben wie Ralf Kunkel, Sprecher der Flughafengesellschaft (FBB). Er musste 2012 der Öffentlichkeit erklären, dass der Hauptstadtflughafen BER leider nicht fertig werde und sich die Eröffnung um unbestimmte Zeit verzögere.

Geschäftsführer Rainer Schwarz musste einige Zeit später gehen, Kunkel blieb und war seinen jeweiligen Chefs – Horst Amann, Hartmut Mehdorn, Karsten Mühlenfeld – in unerschütterlicher Loyalität verbunden, so unterschiedlich ihre Führung der FBB auch sein mochte.

Gute Kontakte zu Politikern

Doch nun ist Schluss: Wie die FBB am Dienstag mitteilte, wird Kunkel zum 1. Januar abgelöst von Daniel Abbou. Der 45-Jährige ist derzeit beim Stadtmöblierer Wall für die politische Kommunikation verantwortlich und gilt als einer der begabtesten Netzwerker der Stadt. Abbou pflegt beste Kontakte in alle politischen Lager und fehlt auf kaum einer Veranstaltung der Fraktionen und Parteien, der SPD ist er aber besonders verbunden.

Abbou, der früher als Journalist beim SWR arbeitete, war zunächst Sprecher von Justizsenatorin Gisela von der Aue und bewährte sich, als die Politikerin wegen Sicherheitspannen in Gefängnissen in Bedrängnis geriet.

2009 wechselte Abbou zum neuen Finanzsenator Ulrich Nußbaum und beantwortete nicht nur die Fragen der Presse, sondern regelte für den Neu-Berliner fast die gesamte Kommunikation mit der Außenwelt. Er blieb zwei Jahre, trat dann in seiner Heimatstadt Stuttgart ein Intermezzo beim Regierungsvize Nils Schmid (SPD) an, kam aber aus familiären Gründen bald zurück nach Berlin.

Außendarstellung des BER verändern

Nach Informationen der Berliner Zeitung wurde Kunkels Ablösung seit längerem geplant. Im Aufsichtsrat gab es demnach den Wunsch, die Außendarstellung der Flughafengesellschaft zu verändern. „Kunkel ist ein guter Mann, aber es ist Zeit für eine Veränderung“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied.

Der bisherige Pressesprecher arbeitet auch weiterhin für die FBB und wird neuer Umlandbeauftragter. In dieser Funktion ist er vor allem für die Umsetzung des Schallschutzprogramms zuständig. Da hat er einiges zu tun. „Wir haben noch einige Schritte zu gehen, um im Umland als guter Nachbar wahrgenommen zu werden“, sagte Kunkel am Dienstag.