Berlin - Zwei Jahre sind vergangen, seitdem die peinliche Nachricht verkündet wurde. Zwei Jahre gingen ins Land, seitdem am 8. Mai 2012 einige Männer in der Schönefelder Airport World vor die Medien traten und zerknirscht mitteilten, dass es leider nichts wird mit der Flughafeneröffnung am 3. Juni. Zwei Jahre, eine ziemlich lange Zeit, in der viel passieren könnte.

Doch die Bilanz, die Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider nun zog, fiel mager aus. „Wir sind mindestens auf den richtigen Weg“, sagte der Staatssekretär. Hartmut Mehdorn, seit etwas mehr als einem Jahr Flughafenchef, habe „jetzt den Apparat, um die notwendigen Sachen zu machen. Er hat den Laden aus der Lethargie geholt.“ Viel mehr Positives hatte er nicht zu vermelden.

Bretschneider sprach im kleinen Kreis. Der Verein Kurfürstendamm and more, der die Wirtschaft in den Seitenstraßen des Boulevards fördern will, hatte ihn ins Hotel Excelsior nach Charlottenburg eingeladen. „Der Flughafen BER ist im Grunde fertig, und er ist todschick, auch wenn er da und dort etwas eng geplant worden ist“, sagte der Gast aus Potsdam. „Aber er ist wie ein Computer, der einen Virus hat: Er ist da, aber er läuft nicht.“ Immer noch sei es die technische Ausrüstung des Terminals, an der es hapere. Wichtige Bereiche, vor allem beim Brandschutz, funktionierten nicht.

Insider können lange darüber erzählen, was in den vergangenen zwei Jahren am BER alles schief gelaufen ist. Da sind die vielen Rauswürfe und Umbesetzungen. Erst wurde Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen abgesetzt, der die Zeit gefunden hatte, eine Doktorarbeit zu schreiben.

Herausreißen und neu bauen

Seinen Sessel nahm Horst Amann ein, der mit viel Vorschusslorbeeren aus Frankfurt geholt worden war, aber 2013 ebenfalls in Ungnade fiel – wie zuvor Flughafenchef Rainer Schwarz. Auch die Planer und Bauüberwacher des Büros von Gerkan, Marg und Partner bekamen den Laufpass, und die Zahl der umgesetzten Flughafenmitarbeiter geht in die Dutzende. „Eine personelle Kontinuität gibt es nicht mehr“, klagte ein Beteiligter.

So mühen sich die jetzigen Verantwortlichen immer noch damit ab, einen Überblick zu gewinnen: „Doch von diversen Bereichen gibt es keine Pläne mehr, weil die Firmen in Konkurs gegangen sind.“ Dafür tummeln sich einige hundert Externe, meist Ingenieure und Berater, im BER. „Einige sagen unter der Hand: Ich bleibe bis zur Rente. Oft sieht es so aus, als wären sie gar nicht daran interessiert, dass der Flughafen fertig wird. Kein Wunder bei Tagessätzen von 800 Euro.“

Nicht zu vergessen die grundsätzlichen Probleme, die sich bis heute auswirken: Weil das Projekt sehr kleinteilig ausgeschrieben wurde, arbeiten viele Firmen am BER. „Es ist so, als müssten Renault-Arbeiter und Volvo-Lackierer bei VW einen Audi bauen“, sagte der Insider. „Inzwischen sagen Planer, dass es am besten wäre, die alte Brandschutzanlage herauszureißen und neu zu bauen.“

Zu viele Nebenkriegsschauplätze

Bretschneiders Zwei-Jahres-Resümee fiel auch für Bereiche, die nicht direkt mit dem Bauprojekt zu tun haben, verhalten aus. „Beim Lärmschutz für die Anwohner ist praktisch nichts passiert“, sagte er. „Die Flughafengesellschaft hatte mit anderen Parametern geplant, das Oberverwaltungsgericht hat ihr eins auf die Nase gegeben.“

Rainer Bretschneider hat sich geärgert, als Mehdorn 2013 einen Nebenkriegsschauplatz aufmachte. „Die Debatte um die Offenhaltung Tegels war völlig bekloppt.“ Aber auch der Brandenburger Flughafenkoordinator hält die Entscheidung, Mehdorn anzuheuern, für richtig. „Er ist ein Dampfross im positiven Sinne. Wenn Sie so jemanden holen, müssen Sie in Kauf nehmen, dass er auch mal einen Schritt zu weit geht. Zu ihm gibt es keine Alternative.“ So sieht sie aus, die BER-Bilanz zwei Jahre danach.