Flughafen Berlin Brandenburg: Laut Studie jetzt schon zu klein

Die Probleme mit dem künftigen Großflughafen Berlin-Brandenburg (BER) in Schönefeld reißen nicht ab. Nachdem vor wenigen Tagen bekannt wurde, dass neben den Schwierigkeiten mit der Brandschutzanlage nun auch Mängel an der Betankungsanlage und der Kühlung des Computersystems aufgetreten sind, verdichten sich jetzt die Hinweise, dass der Airport zu klein gebaut wurde. Eine von der Flughafen-Geschäftsführung beauftragte Studie des Airport Research Centers aus Aachen warnt laut Bild-Zeitung vor massiven Engpässen nach der Inbetriebnahme des neuen Airports.

„Am Spitzentag stehen nicht genügend Schalter als Ausfall- und Dispositionsreserve zur Verfügung“, zitiert das Blatt aus der Studie. Zudem sei die Anzahl an Gepäckbändern „für die Verkehrslast der Wintersaison 2013 nur eingeschränkt ausreichend, da keinerlei Systemreserven zur Verfügung stehen“. Auch bei den Sicherheitskontrollen könne es zu Engpässen kommen. Dass der Flughafen zu klein geplant worden sein könnte, war schon oft spekuliert und von der Flughafengesellschaft dementiert worden. Ihre Stellungnahme am Freitag klang aber eher defensiv.

Sie erklärte, die wesentliche Erkenntnis der Untersuchung sei, dass die Anzahl der Check-in-Schalter für die Verkehrslast der Wintersaison 2013 ausreichend sei. Auch die Kapazität der Gepäckausgabebänder sei „bei entsprechender Disposition ausreichend“. Was das konkret bedeutet, führte sie nicht näher aus. Im Notfall soll der Airport allerdings kurzfristig erweitert werden. „Direkt nach Eröffnung können im Bedarfsfall zusätzliche Gepäckausgabebänder realisiert werden“, teilte die Flughafengesellschaft mit. Die Abfertigungsschalter sind nach Angaben des Unternehmens „unter der Prämisse einer aktiven betrieblichen Kontrolle und Steuerung“ ausreichend. Was darunter zu verstehen ist, führten die Verantwortlichen ebenfalls nicht näher aus.

Gewaltige betriebliche Defizite

Der Brandenburger CDU-Fraktionschef Dieter Dombrowski warnte nach dem Bekanntwerden der Studie erneut vor einem zu klein geplanten Flughafen. Entsprechende Studien sollten endlich ernst genommen werden, betonte er am Freitag in einer Mitteilung. Erst im November hatte die Unionsfraktion ein Gutachten des Flughafenplaners Dieter Faulenbach da Costa vorgestellt. Danach ist der Flughafen BER nur nach teuren Erweiterungen störungsfrei und rentabel zu betreiben. Auf 3,3 Milliarden Euro beziffert Faulenbach da Costa die Kosten für erforderliche Neuinvestitionen. In dem Gutachten für die CDU-Fraktion im Brandenburger Landtag empfiehlt er zudem, Billig-Fluglinien aus dem BER-Terminal auf kleinere Flughäfen in Neuhardenberg und Cottbus zu verbannen.

Faulenbach da Costa war bis 2000 für den Baukonzern Hochtief an der Planung des Flughafens Berlin Brandenburg beteiligt, hat an zahlreichen Airports weltweit mitgebaut und arbeitet selbstständig in Hessen. Schon mehrmals hat er die Kapazitäten am BER als zu gering eingestuft, insbesondere bei Abfertigung und Gepäckanlage. In seinem Gutachten kommt er zum Schluss, dass ohne Änderungen „gewaltige betriebliche Defizite“ auflaufen – pro Jahr 190 Millionen Euro. Der Berliner Grünen-Abgeordnete Andreas Otto, Vorsitzender des Bauausschusses, sagte am Freitag, er sei froh, wenn der neue Flughafen überhaupt erstmal in Betrieb gehe. Nach dreimaliger Terminverschiebung soll der Flughafen in Schönefeld am 27. Oktober dieses Jahres eröffnet werden.