Man solle bitte nicht zu viel erwarten, hieß es aus Flughafen-Aufsichtsratskreisen im Vorfeld der Sitzung am Freitag. Wesentliche Beschlüsse stünden nicht bevor, außerdem könnten mehrere Mitglieder des Kontrollgremiums gar nicht teilnehmen – relativ kurzfristig hatte nämlich der Vorsitzende, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), die letzte Sitzung in diesem Jahr um eine Woche verschoben.

Dabei sollte eigentlich zum Ende des Jahres die große Revision erfolgen. Genau ein Jahr ist es her, dass der damalige Flughafen-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn das sogenannte Terminband bis zur Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER präsentierte. Dass es in weiten Teilen Makulatur ist, steht schon lange fest. Drei bis vier Monate beträgt die Verspätung. Immerhin: „Unser Ziel bleibt das zweite Halbjahr 2017“, verkündete Flughafenchef Karsten Mühlenfeld nach der Sitzung bezüglich des Eröffnungstermins.

Erst mal fertig planen

Mühlenfeld hatte den Kontrolleuren eine aktualisierte Terminplanung vorgelegt, wonach die bauliche Fertigstellung im Juli 2016 erfolgt, statt wie geplant im März. Allerdings enthält dieser Plan eine Unbekannte: den Umbau der Entrauchungsanlage. Die Pläne für dieses zentrale Vorhaben bei der Sanierung des neuen Terminals, das eigentlich im Juni 2012 in Betrieb gehen sollte, sind noch nicht geprüft. Aber erst, wenn die Prüfung im Frühjahr abgeschlossen ist, lässt sich sagen, wie umfangreich die Arbeiten sind, die noch anstehen.

Da Mühlenfeld und Müller in dieser Hinsicht nichts Substanzielles verkünden konnten, kündigten sie stattdessen sogenannte Beschleunigungsmaßnahmen an. Von Weihnachten an sollen auch Baufirmen im Zwei-Schicht-Betrieb an sechs Tagen in der Woche arbeiten, seit November ist das bereits der Rhythmus der Objektüberwacher. Müller will zudem von Januar an wichtige Baufirmen zu Besprechungen ins Rote Rathaus einbestellen. „Darum geht es: allen auch die Ernsthaftigkeit der Situation zu vermitteln“, sagte er. Jetzt wird in die Hände gespuckt, war die Botschaft.

Neue Führung, mehr Kontrolle

Aber nicht nur das unerfreuliche Thema Neubau bewegt die Flughafengesellschaft (FBB), sondern auch das weitaus erfreulichere Thema Wachstum. „Die Übernachtungen in Berlin steigen. Und mit ihnen die Fluggastzahlen“, sagte Müller. Für das kommende Jahr rechnet das Management damit, dass erstmals mehr als 30 Millionen Passagiere an den Flughäfen Tegel und Schönefeld abgefertigt werden.

Mehr Passagiere führen zu mehr Umsätzen, auf 32 Millionen Euro soll der Betriebsgewinn der FBB im nächsten Jahr steigen. Die Bilanz des Unternehmens wäre also positiv, wenn der BER nicht wäre, der all die schönen Erträge wieder aufzehrt.
Ein anderer Effekt des Wachstums ist, dass die Mitarbeiterzahl im Frühjahr auf über 2000 steigen wird.

Damit wird sich 2016 auch die Zusammensetzung des Aufsichtsrates ändern, und auch das Kontrollgremium wird größer. Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite müssen nämlich fortan paritätisch vertreten sein. Das bedeutet auch, dass der Einfluss der Landesregierungen und des Bundes sinken wird. Außerdem wird eine neue Führungsposition geschaffen: Die FBB bekommt einen Arbeitsdirektor.

Zu Spekulationen über einen Machtkampf zwischen Flughafenchef Mühlenfeld und Finanzgeschäftsführerin Heike Fölster sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Müller: „Wir haben gerade auch heute erlebt, dass die Geschäftsführung an einem Strang zieht.“ Es seien jedoch alle sehr belastet, der Termindruck sei groß. „In so einer Situation muss auch mal Tacheles geredet werden.“