Berlin - Gerald Ponesky hat seinen Leuten ab heute freigegeben. „Wir haben den Stecker gezogen“, sagt der Chef der Event-Agentur Compactteam. „Ich geh auf mein Boot.“ Seine Stimmungslage schwanke „zwischen Wut, Trauer und Hoffnung“. Denn noch will Ponesky nicht glauben, dass die von seiner Agentur mit zuletzt 300 externen Helfern für den 24. Mai vorbereitete, monumentale Eröffnungsfeier für den neuen Flughafen mit 40.000 Besuchern endgültig geplatzt ist. Von der Flughafengesellschaft gibt es kein Signal.

Die 1990 gegründete Berliner Agentur ist bundesweit gut im Geschäft, wenn es darum geht, richtig groß zu feiern. Sie hat auch schon die Fanmeile zur Fußballweltmeisterschaft 2006 organisiert oder die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. „So etwas ist noch nie passiert“, sagt Ponesky. Nun hofft er inständig, dass die Party nicht gänzlich abgesagt wird. „Das ist ja nicht irgendein Flughafen, sondern der neue Flughafen der Hauptstadt. Bei Amerikanern oder Franzosen gäbe es solche Diskussionen gar nicht.“

Zu der Feier mit Kanzlerin, viel Prominenz, Bauleuten, Komparsen und ganz normalen Bürgern sollte eine riesige LED-Wand auf dem Vorfeld aufgebaut werden. Nicht 90 Quadratmeter groß, wie auf der Fanmeile, sondern 600. Eigens produzierte Filmbeiträge Bilder und Musikkompositionen sind fertig. „Wir wollten den Inhalt sehr emotional vermitteln“, sagt Ponesky. Im Zentrum sollte das Thema Freiheit stehen. Zum ersten Mal sollten S- und Regionalbahnen in den neuen Bahnhof einrollen, die Deutsche Bahn wollte den ICE 3 präsentieren.

"Viele Firmen wollten Flagge zeigen"

Zu den Kosten, meint der Agentur-Chef, dürfe er nichts sagen. Auch die Flughafengesellschaft hält sich bedeckt. Die muss jetzt erst einmal ein paar Tausend Ausladungen an die bereits persönlich eingeladenen Gäste schicken. Aber ein Großteil der Ausgaben sei durch Sponsoren finanziert, sagt Ponesky. „Viele Firmen wollten Flagge zeigen. Und die meisten sagen, wir machen auch weiter mit.“

Beim RBB nimmt es Programmdirektorin Claudia Nothelle mit Ironie: „Suche einen neuen Sendeplatz für 24 Stunden Live Projekt vom Flughafenumzug“, schreibt sie auf Facebook. „Es gibt Leute bei uns, denen ist richtig schlecht geworden, als sie von der Absage gehört haben“, sagt Sender-Sprecher Justus Demmer. 50 Live-Reporter, 15 Moderatoren und fünf Übertragungswagen sollten vom 2. bis zum 3. Juni den Umzug von Tegel und Schönefeld-Alt zum neuen Airport begleiten. Mehr als 50 Beiträge sind schon produziert. Ein solches Projekt gab es noch nie in der ARD. Einen Überblick, was der Fehlstart den klammen Sender kostet, gibt es noch nicht, sagt Demmer. Erst einmal muss schnell geplant werden, was nun gesendet werden soll. Und auch beim RBB steht eine weitere Entscheidung noch aus: „Drückt man die Pause-Taste. Oder wird alles abgeblasen?“