Potsdam - Der neue Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat sein Amt mit einem Tabubruch angetreten: Er schlug am Montag vor, den Flughafen Berlin-Tegel nicht wie geplant zu schließen. Es sei zu prüfen, ob Tegel auch nach der Eröffnung des neuen Großflughafens BER weiter betrieben werden könne, sagte Mehdorn vor Brandenburger Abgeordneten in Potsdam. Auf diese Weise ließe sich „die Last so ein bisschen gleich auf die Stadt verteilen“.

Auf ungläubige Nachfragen im Flughafen-Sonderausschuss des Landtags bekräftigte Mehdorn, man könne unter anderen Umständen doch über neue Lösungen nachdenken. „Wir werden ja jeden Tag schlauer“, fügte er hinzu. Der frühere Bahnchef Mehdorn hatte erst am Morgen seine neue Aufgabe als Vorstandsvorsitzender der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) übernommen. Bis Januar war er Vorstandschef der Fluggesellschaft Air Berlin, die wie viele andere Linien wegen der Bauprobleme am BER auf unbestimmte Zeit über Tegel fliegen muss.

Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) widersprach Mehdorn umgehend. Bedingung für den Bau des BER sei gewesen, die alten Flughäfen in Tegel und Schönefeld zu schließen. Dazu gebe es einen Planfeststellungsbeschluss, der „so gut wie in Eisen gegossen ist“, sagte Platzeck: „Das gilt.“ Über die Äußerung des neuen Flughafenchefs, den er selbst ausgesucht und erst am Freitag vorgestellt hatte, sagte der Brandenburger Ministerpräsident: „Das sehen wir Herrn Mehdorn, der erst sieben oder acht Stunden im Amt ist, nach, dass er das noch nicht alles übersehen kann.“

Auch über die Nachtflugregelung am BER zeigten sich beide uneinig. Während Platzeck auf mehr Nachtruhe dringt und die Verbotszeiten ausweiten möchte, sagte Mehdorn: „Wir werden natürlich für eine größtmögliche Öffnungszeit sein.“ Das sei seine Pflicht als Chef der Flughafengesellschaft, die wirtschaftlich arbeiten müsse.

BER-Terminal völlig misslungen

Über das BER-Terminal sagte Mehdorn, der Bau sei völlig missraten und misslungen. Dennoch wolle er die Fertigstellung beschleunigen. „Ich bin sicher, da gibt es Möglichkeiten.“ Dazu bedürfe es der Bereitschaft, unkonventionell vorzugehen und „ein paar Dinge außerhalb der Norm zu tun“. Die Vorschriften und Gesetze müssten aber eingehalten werden. „Ich kann Ihnen noch nicht sagen, wie es geht. Aber ich glaube, es geht.“

Nach unbestätigten Berichten bekommt der 70 Jahre alte Mehdorn ein Jahresgehalt von 600.000 Euro plus Erfolgsprämie für seinen neuen Posten. Er erhielte damit rund doppelt so viel wie sein Vorgänger Rainer Schwarz, der im Januar wegen der massiven Bauprobleme abgelöst worden war.