Schönefeld - Der Flughafenchef kann sich noch gut daran erinnern, wie das Pier 3a in Schönefeld früher aussah. Schmale Flure, in denen sich die Passagiere stauten, führten zu Warteräumen, die dem Andrang meist nicht gewachsen waren, sagte Engelbert Lütke Daldrup. „Das waren kleine Boxen mit Sitzgelegenheiten aus Metall, die nie ausreichten.“ Rund 60 Prozent der Fluggäste mussten dort stehen. Nicht sehr angenehm.

Doch das hat sich in den vergangenen zehn Monaten geändert. Die Flughafengesellschaft FBB hat das lang gestreckte Gebäude, das rund 4000 Quadratmeter Fläche umfasst, für 6,5 Millionen Euro umbauen lassen. „Jetzt geht es hier entspannter zu“, sagte Lütke Daldrup am Dienstag, als er das vor knapp einer Woche in Betrieb genommene Gebäude den Medien vorstellte.

"Ein spartanisches Willkommen", titelte die Berliner Zeitung in ihrer Ausgabe vom 24. März 2005, in der sie das am Tag zuvor eröffnete Bauwerk vorstellte. Das Berliner Planungsbüro Fritz Ambroselli hatte den 200 Meter langen und 14 Meter breiten Zweigeschosser entworfen, die Firma Goldbeck stellte ihn in nur 20 Wochen links neben das bestehende Terminal B des Flughafens Schönefeld. 3,5 Millionen Euro kostete der Bau damals.

2010 sollte der Abrissbagger kommen

Dass die mit grauem Aluminium verkleidete Konstruktion aus Stahl, Glas und Stahlbeton simpel ausfiel, war beabsichtigt. 2010, so hieß es damals, werde der neue Schönefelder Flughafen fertig. Dann werde Pier 3a nicht mehr benötigt und könne abgerissen werden, so Thomas Weyer, der damalige Technik-Chef der Flughafengesellschaft.

Es kam anders. Der BER, wie der künftige Hauptstadt-Airport heißt, soll nun im Oktober 2020 ans Netz gehen - den genauen Termin will Lütke Daldrup während der Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrats am 29. November bekannt geben. Weil absehbar ist, dass die Kapazität des BER langfristig nicht reicht, wird bereits eine zweite Erweiterung geplant, das Konzept wurde weitestgehend fertiggestellt. Terminal 3 soll 2028 oder 2029 fertig werden. Erst dann wird Pier 3a für den Linienflugverkehr schließen - und mit ihm der gesamte übrige Flughafen Schönefeld (SXF). "Rund zehn Jahre werden wir ihn noch brauchen", sagte der Flughafenchef. Über die Jahre hat sich die Schonfrist für den einstigen Flughafen von Berlin, Hauptstadt der DDR, verlängert. Ursprünglich sollte Schönefeld 2023 schließen, dann 2026.

Zwar mutet der Pier 3a, wo Fluggäste von Easyjet und Ryanair ihre Reisen beginnen, immer noch wie ein spartanischer Industriebau an. Graues und weißes Metall dominiert, keine Deckenverkleidung versperrt die Sicht auf Leitungen und Kabel. Doch die kleinen Boxen sind verschwunden. Wände wurden herausgenommen, so dass große Warteräume entstanden sind.

Einstiger DDR-Zentralflughafen bleibt noch rund zehn Jahre offen 

Die Zahl der Sitzplätze ist von 600 auf mehr als tausend gestiegen. Neu sind Steckdosen und USB-Ports neben den Sitzen. Neu sind auch die rot gepolsterten Sitzbänke ohne Lehnen. die als erstes in Tegel ausprobiert worden sind. Erstmals gibt es im Pier 3a auch Gastronomie, sogar gleich dreifach. Bei der Grenzkontrolle wurde das automatische "EasyPass"-System installiert, das Ausweispapiere scannt, Augenpartien erfasst - und dann den Weg freigibt.  

In den nächsten Jahren investiert die FBB einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in den Flughafen Schönefeld, so Lütke Daldrup. Als Nächstes sei geplant, die Kontrollbereiche (Sicherheitsspuren) im Terminal B von zehn auf 16 Meter zu verlängern, sagte er. Dadurch wird die Zahl der Fluggäste, die dort durchgeschleust werden können, fast verdoppelt. 

Im vergangenen Jahr haben mehr als 12,7 Millionen Fluggäste den Flughafen südöstlich von Berlin genutzt. Das waren mehr Passagiere als 2018 in Stuttgart, Hannover oder Nürnberg und fast genauso viele wie in Köln/ Bonn.

In der Spitzenstunde werden in Schönefeld 2250 Passagiere abgefertigt. In den 2020er-Jahren, wenn der Bund Teile des Vorfelds für den Regierungsflugbetrieb übernimmt, wird die jährliche Kapazität von rund 12 MIllionen auf 8 Millionen Fluggäste sinken. Doch als Terminal 5 bleibe er ein wichtiger Teil des BVER, hieß es.

Nach der Schließung Schönefelds in rund zehn Jahren werde dort kein "regulärer Terminalbetrieb mehr stattfinden", so der Flughafenchef. "Vielleicht wird der Flughafen dann andere Funktionen übernehmen." Welche das sein werden, soll aber erst in fünf Jahren entschieden werden. Die Geschichte des einstigen DDR-Zentralflughafens ist noch lange nicht zu Ende.