Noch immer steht nicht fest, ob der Flughafen BER tatsächlich 2017 öffnen kann. „Wir haben eine Phase der Unsicherheit“, sagte der Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider der Berliner Zeitung. Aber so viel ist jetzt schon klar: Der BER ist zu klein, er muss erweitert werden. In der kommenden Woche wird der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft nun erste Projekte beschließen. Nicht nur neben dem BER-Terminal entsteht ein zusätzliches Gebäude, in dem Passagiere einchecken können. Auch am jetzigen Flughafen Schönefeld, der erst einmal offen bleibt, wird gebaut.

„Vereinigte Hüttenwerke“: Diesen Spitznamen hat der Flughafen Berlin-Tegel bekommen. Gemeint ist das Sammelsurium an Terminals, mit denen die Kapazität nach und nach erweitert wurde. Auch in Schönefeld mussten immer wieder einfache Bauten angestückelt werden. Jetzt ist absehbar, dass weitere Gebäude entstehen – um den BER bis 2023 zu entlasten. Erst dann soll Schönefeld schließen.

Platz für 40 Millionen Fluggäste

„Ziel ist es, die jährliche Terminalkapazität des Flughafens Schönefeld von derzeit sieben Millionen auf zehn Millionen Passagiere zu erhöhen“, so Bretschneider. „Dazu sind Ausbauten und Modernisierungen nötig, es wird aber auch zusätzliche Gebäude in Leichtbauweise geben, die neben den jetzigen Terminals entstehen.“ Die Arbeiten müssten bald beginnen und 2016 enden, sagte der Vize-Vorsitzende des Aufsichtsrats. „Der Druck, die Leistungsfähigkeit zu erweitern, ist jetzt schon da, weil Ryanair das Angebot von und nach Schönefeld massiv ausbaut.“

Auch auf dem BER-Gelände werde gebaut. „Es läuft darauf hinaus, zügig ein zusätzliches Abfertigungsgebäude zu planen“, sagte Bretschneider. „Es soll östlich vom Pier Nord des zentralen Terminals entstehen. In direkter Nachbarschaft, aber ohne jede bauliche und technische Verbindung dorthin, als völlig eigenständiges Projekt, mit separatem Zugang und separater Vorfahrt für die Fluggäste.“ Grund für die Trennung: Das Projekt würde zu kompliziert, wenn das neue Gebäude mit dem BER-Terminal verbunden würde.

Das Nebenterminal soll mehrstöckig werden. Es bekommt Check-In-Schalter, Gepäckfördertechnik, Läden, Gastronomie und eine Kapazität für rund sieben Millionen Fluggäste pro Jahr. „2019 sollte es fertig sein“, sagte der Flughafenkoordinator in Potsdam.

Die Angaben zur Maximalkapazität des BER sind nach unten korrigiert worden. Bisher hieß es, dass dort Platz für jährlich 27 Millionen Passagiere sein wird – heute ist nur noch von 22 Millionen Fluggästen pro Jahr die Rede. Bretschneider: „Zusammen mit dem heutigen Flughafen Schönefeld und dem zusätzlichen Gebäude neben dem Pier Nord werden wir eine Jahreskapazität von knapp 40 Millionen Fluggästen erreichen. Das dürfte mindestens bis 2023 reichen.“

Drei Felder vor, eines zurück

Bei der Fertigstellung des BER-Terminals läuft nicht alles nach Plan, gestand Bretschneider ein. So liegen die Rest- und Sanierungsarbeiten acht Wochen hinter dem Plan. „Die Planungen wurden 2014 entwickelt, im Verlauf ihrer Umsetzung haben sich Sackgassen ergeben. In einigen Bereichen war es wie bei einem Gesellschaftsspiel: drei Felder vor, eines zurück.“

Auch die vorläufige Insolvenz der Gebäudetechnikfirma Imtech bescherte Verzögerungen. „Die Flughafengesellschaft geht davon aus, dass die Arbeiten im Zuständigkeitsbereich der Imtech um rund vier Wochen im Verzug sind. Nachdem die Insolvenz bekannt wurde, verzeichneten wir zunächst eine gewisse Lähmung. Seit einiger Zeit wird wieder gearbeitet, wenn auch nicht zu 100 Prozent“, sagte Rainer Bretschneider.

Wie sich die Insolvenz auf den Eröffnungstermin auswirkt, könne erst nach dem 31. Oktober gesagt werden. Dann endet die Drei-Monats-Frist der vorläufigen Insolvenz. „Danach wird klar sein, wer Imtech erwirbt und welche Strategie dieses Unternehmen verfolgt“, sagte Bretschneider, der Staatssekretär in der Brandenburger Staatskanzlei ist. So lange bleibe die Unsicherheit. „Ich beteilige mich aber nicht an Unkenrufen und Spekulationen. Es stimmt, dass ein Teil der Zeitreserve aufgebraucht ist. Aber aus meiner heutigen Sicht hat die Planung, die eine Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 vorsieht, weiterhin Bestand.“