Berlin - Einige Monate ist es schon her, dass in Berlin über die Zukunft Tegels diskutiert wurde. Sie wissen schon: Über jenen überlasteten Flughafen, der für viele Berliner der tollste Airport der Welt ist, bei ausländischen Gästen jedoch oft beschämend miese Bewertungen erhält. Eine Schande für eine entwickelte Nation wie Deutschland, keine Klimaanlage, „heiß wie die Hölle“, die Toiletten zuweilen so schmutzig wie in Berliner Clubs: So lauten typische Einträge auf Rating-Seiten.

Jetzt hat Carsten Spohr die Debatte wieder aufflammen lassen. Der Lufthansa-Chef überraschte mit der Forderung, nochmals über eine Offenhaltung Tegels nachzudenken. Wer wisse schon, ob der BER es packen wird? Wie zu erwarten war, reagierte die Opposition erfreut. Die Tegel-Fans in der CDU und FDP bekräftigten am Mittwoch ihre Forderung, von der geplanten Schließung abzusehen. 

Offenhaltung des Flughafen Tegel

Doch ist Spohr wirklich ein Freund Berlins? Sicherlich ist die Lufthansa mit ihrer Technik, dem Kundenservice und anderen Bereichen ein geschätzter großer Arbeitgeber in dieser Region. Das magere Flugangebot zeigt aber, dass die Stadt für die Lufthansa-Verkehrsplaner offenbar nur eine untergeordnete Rolle spielt. Und das soll auch so bleiben, wenn man Carsten Spohrs Äußerung richtig deutet.

Denn eins ist klar: Wer Tegel offenhalten will, der will nicht, dass der BER ein Knotenpunkt des Luftverkehrs wird. Nur als einziger Airport der Region wird der BER so viel Verkehr auf sich ziehen, dass er als Hub wirtschaftlich interessant wird. Mit seinen Äußerungen zeigt Spohr nicht, dass es ihm um Berlin geht. Er zeigt nur, dass es ihm egal ist, ob Berlin luftfahrttechnisch Provinz bleibt – oder nicht.