Berlin - Knapp ein halbes Jahr ist es her, dass Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup Journalisten durch den Flughafen Tegel führte, um ihnen zu zeigen, was Manager sonst verschweigen: Die Anlagen sind marode, die Instandhaltung wurde schon vor Jahren auf das Nötigste beschränkt – schließlich sollte Tegel ja 2012 schließen. 

Eine Milliarde Euro, so lautete Lütke Daldrups Botschaft, würde die Instandsetzung kosten. Nun steht fest: Frühestens 2021 wird Tegel schließen. So lange müssen die Haustechniker dem maroden Flughafen über die Runden helfen – und es ist nicht sicher, ob das mit den bisherigen, relativ niedrigen Beträgen klappt.

Ebenso aufwendig und möglicherweise noch viel teurer wird der Lärmschutz. Bisher gilt für Tegel eine Ausnahme vom Fluglärmgesetz. Sie läuft aber spätestens 2019 aus. Die Verwaltung wird kaum darum herumkommen, zumindest damit zu beginnen, die Lärmschutzbereiche um den Flughafen auszuweisen – sie legen fest, in welchen Gebieten die Anwohner Anspruch auf Maßnahmen haben.

Rund zwei Jahre kann das Verfahren dauern – je nachdem, wann es beginnt, könnten die rund 300.000 betroffenen Anwohner also Ansprüche geltend machen. Einige wollen ohnehin klagen. Konservative Schätzungen prognostizieren Kosten von 400 Millionen Euro für die Dämmung der Gebäude.

Für die Liberalen untersucht eine Kommission die juristischen Möglichkeiten

Unterstützung finden die Anwohner bei der bürgerlichen Opposition. „Das Versagen der Flughafenplaner darf nicht zulasten der Anwohner vom Flughafen Tegel gehen“, sagte der Spandauer CDU-Abgeordnete Kai Wegner am Freitag.

Er selbst ist zwar gegen die Offenhaltung von Tegel nach der Eröffnung des BER. Seine Partei aber ist dafür – und auch diese Debatte geht nun in die Verlängerung. Demnächst möchte die FDP zeigen, wie sich der Pro-Tegel-Volksentscheid vom September aus ihrer Sicht umsetzen lässt.

Für die Liberalen untersucht seit Monaten eine Kommission um Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement die juristischen Möglichkeiten. Sie habe einen zehnseitigen Zwischenbericht verfasst, der bald veröffentlicht werde, hieß es am Freitag aus der Fraktion.

Während die Liberalen sich freuen, wächst anderswo die Verzweiflung: Die Weddinger Beuth-Hochschule wartet seit Jahren darauf, mit einigen ihrer Institute ins Terminal des Flughafens Tegel zu ziehen. Es soll der Kern für die künftige Nutzung als Unternehmenspark werden. 

Dass sich das Warten verlängere, sei eine schlechte Nachricht, sagte Vizepräsident Hans Gerber der Berliner Zeitung. Die Hochschule benötige dringend Flächen, alles sei vorbereitet gewesen für einen Baubeginn 2019. „Wir haben keine Planungsgrundlage mehr, auf die wir uns verlassen können“, sagte Gerber.