Es ist ein Rekord, auf den viele Anwohner des Flughafens Tegel sicher gern verzichten würden. Noch nie hat es auf dem innerstädtischen Flughafen spätabends und nachts so viele Starts und Landungen gegeben wie im vergangenen Jahr. Das geht aus einer Statistik der Flughafengesellschaft FBB vor, die der Berliner Zeitung vorliegt.

Danach gab es im vergangenen Jahr zwischen 22 und 5.59 Uhr insgesamt 10.305 Starts und Landungen – so viele wie noch nie und rund sieben Prozent mehr als im Jahr davor. Davon fanden 1792 Flugbewegungen nach 23 Uhr statt, wenn die meisten Menschen schlafen wollen. Das entspricht einer Zunahme von 20,8 Prozent.

Flugplan „viel zu voll“

Die Zahl der Flüge zwischen 22 und 22.59 Uhr stieg auf 8513 – ein Anstieg um 4,5 Prozent. Verglichen mit 2002 sei die Zahl der Starts und Landungen in dieser Stunde um 144 Prozent gewachsen. „Die starke Zunahme war für die Anwohner sehr deutlich spürbar“, sagte Janik Feuerhahn vom Bündnis „Tegel schliessen. Zukunft öffnen.“

Anlieger müssten immer größere Belastungen verkraften, so der SPD-Politiker Jörg Stroedter, der für Reinickendorf im Abgeordnetenhaus sitzt. Die Daten zeigten auch, dass die Flugplan „viel zu voll“ ist. Täglich bestehe die Gefahr, dass sich Flüge verspäten und in die Nacht verschoben werden müssen.

Ein striktes Nachtflugverbot gibt es für Tegel nicht. Zwar dürfen dort Flugzeuge zwischen 23 und 6 Uhr „grundsätzlich nicht starten und landen“, so der Senat. Doch von dem Grundsatz sind Ausnahmen möglich. So dürfen Postflüge in Tegel auch nachts stattfinden – was im vergangenen Jahr 480 Mal der Fall war.

Von den Beschränkungen befreit sind zudem Ambulanzflüge, bei denen im vergangenen Jahr zwischen 22 und 5.59 Uhr 125 Starts und Landungen gezählt wurden. Auch Militär, Polizei- und Regierungsflüge sind während dieser Zeit möglich – 2017 wurde diese Möglichkeit 133 Mal genutzt. Damit nicht genug: Wenn sich Verkehrsflugzeuge verspäten, kann die Luftaufsicht und nach Mitternacht die oberste Luftfahrtbehörde Ausnahmen genehmigen.

Air Berlin und Niki führten die Statistik an. Sie waren für insgesamt 72,8 Prozent der Starts und Landungen verantwortlich, die wegen Verspätungen erst nach elf in Tegel stattfinden konnten.

Air Berlin war schuld

Ein Grund dafür sind die Turbulenzen, in die beide Unternehmen im vergangenen Jahr geraten sind. Zum Schluss lief der Betrieb nicht mehr rund, und es gab Arbeitsniederlegungen, die zu weiteren Verspätungen führten. Stürme und Starkregen brachten den Flugplan 2017 ebenfalls durcheinander. Beim Flughafen zeigte man sich zuversichtlich, dass die Zahl der Nachtflüge in Tegel wieder sinkt.

Doch Stroedter zeigte sich skeptisch. „Air Berlin ist weg, stattdessen wächst nun Easyjet“, sagte der SPD-Abgeordnete. „Nachts wird es in Tegel laut bleiben.“