Flughafen Berlin: Zu wenig Langstreckenflüge - Neues Bündnis will das ändern

Für Burkhard Kieker ist es das „letzte verbliebene Hindernis aus den Zeiten der deutschen Teilung“. Wer von anderen Kontinenten nach Berlin fliegt, muss fast immer umsteigen, sagte der Chef von Visit Berlin am Mittwoch. Von den fast 200 Langstreckenverbindungen nach Deutschland führe nur eine Handvoll direkt in die Hauptstadt.

„Wir sind nicht mehr bereit, uns mit dem Status Quo, wie er sich nach dem Zweiten Weltkrieg eingependelt hat, abzufinden“, so Kieker. „Es ist an der Zeit, selbstbewusster aufzutreten“ – vor allem gegenüber dem Bund. Das landeseigene Tourismusmarketing ist Mitglied des neuen Berlin-Brandenburger Wirtschaftsbündnisses, das bessere internationale Anbindung der Hauptstadt-Region fordert.

Von Zielen in der Türkei abgesehen, sind nicht einmal 20 Städte auf anderen Kontinenten von Berlin aus direkt erreichbar. Nur acht sind so weit entfernt, dass sie als Langstreckenziele gelten. New York und Newark in den USA, Toronto in Kanada, Doha in Katar, Teheran, Singapur, Peking und Ulan Bataar in der Mongolei: Mehr Ziele dieser Art stehen nicht im Flugplan. London (155 Langstreckenverbindungen), Paris (137), Frankfurt am Main (109) und München (43) stehen viel besser da.

Der Groll auf die Lufthansa

Sicherlich sei Berlin vom Niveau anderer Metropolen noch weit entfernt, was das Durchschnittseinkommen und die Produktivität anbelangt, gestand Christian Hoßbach vom Deutschen Gewerkschaftsbund Berlin Brandenburg ein. „Doch seit Jahren steht Berlin an der Spitze des Wachstums in Deutschland.“

Auch die Hauptstadt-Funktion komme in der Diskussion oft zu kurz, so Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. Es gebe 171 diplomatische Vertretungen sowie fast genauso viele Bundesbehörden. Mit sieben Universitäten, zehn Fachhochschulen und fast 100 Forschungseinrichtungen stünde die Region ebenfalls gut da, ergänzte Peter Heydenbluth, Präsident der IHK Potsdam. Warum ist sie trotzdem so schlecht erreichbar?

Der Name Lufthansa fiel kein einziges Mal. Doch der Groll auf die Airline, die Langstrecken nach Berlin für betriebswirtschaftlich schwierig hält, war spürbar. Dabei sei Zahl der Fluggäste, die auf solchen Routen in der Business oder First Class hierher fliegen, sei in den vergangenen vier Jahren um 20 Prozent gestiegen, so Kieker. Für das Konzept „Connect 25“ hat Visit Berlin 17 Langstreckenrouten identifiziert, die wirtschaftlich wären – zum Beispiel von Berlin nach Japan, Shanghai und Dubai.

Der Bund muss aktiv werden

Doch für ungefähr die Hälfte dieser Ziele ließen Luftverkehrsabkommen keine Ausweitungen des Angebots zu, hieß es. Ein Beispiel: Statt fünf Mal pro Woche würde Hainan gern täglich Berlin–Peking fliegen und außerdem Shanghai als neues Ziel von Berlin aufnehmen.

Der Bund habe aber kein Interesse daran, das Abkommen, das zwischen Deutschland und China derzeit 55 Flüge pro Woche erlaubt, zu ändern. Ähnliches gelte für Katar, wo ebenfalls der Verdacht bestünde, dass „ein bestimmter Carrier in Deutschland“ vor Konkurrenz geschützt werden soll.

Die Forderung ist klar, so das Bündnis: Das Verkehrsministerium müsse dafür sorgen, dass der BER erfolgreich starten kann – mit Hilfe neuer Abkommen. Kramm: „Es geht darum, die Zukunft gestalten.“