Berlin - Sie haben sich bei einem anderen Großprojekt, dem Bau des Berliner Hauptbahnhofs, kennen- und schätzen gelernt. Jetzt möchte Hartmut Mehdorn noch einmal mit Hany Azer zusammenarbeiten – diesmal bei der Fertigstellung des neuen Schönefelder Flughafens BER.

Nach Informationen der Berliner Zeitung soll der 63-jährige Bauingenieur zu dem Expertenteam gehören, mit dem der neue Flughafenchef das seit fast einem Jahr vor sich hin dümpelnde Bauvorhaben wieder auf Touren bringen will, damit es noch vor 2015 fertig wird. „Azers Name steht auf Mehdorns Liste“, bestätigte ein Insider am Ostermontag.

„Sprint“ ist das englische Wort für Spurt, Kurzstreckenlauf. „Sprint“: So heißt Mehdorns Programm zur Beschleunigung des Milliardenprojekts BER, für das er nun nach und nach fähiges Personal gewinnen will. Dass auch Azer zu denjenigen gehört, die der 70-Jährige gern in seinem Rettungsteam hätte, ist nicht verwunderlich. Hartmut Mehdorn weiß, was er an dem gebürtigen Ägypter hat. Als er noch Chef der Deutschen Bahn war, sorgte Hany Azer dafür, dass das Prestigeprojekt Hauptbahnhof Berlin Ende Mai 2006 pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft fertig wurde – wie es Mehdorn zuletzt versprochen hatte.

Der Bau des Bahnhofs und des dazu gehörigen über drei Kilometer langen Nord-Süd-Tunnels war ins Stocken geraten – wie heute der Bau des BER. Als Projektleiter brachte Hany Azer das Team auf Trab und setzte Änderungen durch, um das Vorhaben zu vereinfachen.

Gespräche mit von Gerkan

So fiel das Dach über den Ost-West-Bahnsteigen um bis zu 130 Meter kürzer aus als geplant. Deshalb werden Erste-Klasse-Passagiere beim Aussteigen aus dem ICE nass, wenn es regnet. Außerdem bekam die unterirdische Halle des Bahnhofs kein Gewölbe, sondern nur eine flache „Zweckdecke“ (Mehdorn). Kommentar des Bahnhofsarchitekten Meinhard von Gerkan damals: „das Widerlichste vom Widerlichen“.

Hany Azer ist weiterhin bei der Bahn. Lange Zeit betreute er das Skandalprojekt Stuttgart 21, derzeit baut er in Katar auf der Arabischen Halbinsel ein Hochgeschwindigkeitsnetz auf. Zu Mehdorns Plänen äußerte er sich nicht. „Kein Kommentar“, sagte Azer der Berliner Zeitung am Montag auf Anfrage.

Auch wenn sich Mehdorn und von Gerkan oft gestritten haben, als es um den Hauptbahnhof ging: Einige von dessen Planerkollegen aus dem Berliner gmp-Büro will der neue Flughafenchef ebenfalls für das „Sprint“-Team rekrutieren. Ein Flughafensprecher bestätigte am Montag, dass sich Mehdorn und der streitbare Hamburger Architekt des Flughafens BER getroffen hätten. „Entschieden ist noch nichts. Doch Herr Mehdorn spricht mit allen, die einen konstruktiven Beitrag zur zügigen Eröffnung des BER leisten können“, sagte der Sprecher.

Stille auf der Flughafenbaustelle

Damit deutet sich ein Ende der Eiszeit zwischen der staatlichen Flughafengesellschaft FBB und von Gerkans Unternehmen gmp an. 2012 war der Streit eskaliert. Als im Mai kurz vor der damals angekündigten Eröffnung des Flughafens bekannt wurde, dass auch dieser Termin nicht gehalten werden kann, ließen die FBB-Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund nach Schuldigen suchen. Am 17. Mai traf der Aufsichtsrat die Entscheidungen. Manfred Körtgen, als Geschäftsführer Betrieb für das Projekt verantwortlich, musste das Unternehmen verlassen – und das Vertragsverhältnis mit der pg bbi, die mit der BER-Generalplanung sowie der Objektüberwachung betraut war, wurde beendet.

Seitdem sind die gmp Generalplanungsgesellschaft und J.S.K. International, denen diese Gesellschaft gehört, nicht mehr an den Flughafenprojekt BER beteiligt. Seitdem herrscht auch mehr oder weniger Stille auf der Baustelle im Terminal. Denn die Lücke, die von den Planern hinterlassen wurde, konnte noch nicht geschlossen werden. Hinzu kam, dass Körtgens Nachfolger Horst Amann bei der FBB weitere Strukturen zerschlug. Dort angestellte Planer mussten ihre Posten verlassen, andere verließen sie freiwillig. Amann ist bis heute damit beschäftigt, Pläne zu sichten. Auch er hat die Entlassung von Gerkans als Fehler bezeichnet.

Mehdorn hofft offenbar, dass er durch die Rückgewinnung zumindest von einigen gmp-Planern wie Hans-Joachim Paap die verlorene Kontinuität wieder herstellen kann, damit die Arbeiten am BER endlich intensiviert werden können.

Noch ist eine Klage anhängig

Nach Einschätzung von Beobachtern muss die FBB zuvor aber erst den Rechtsstreit beilegen. 2012 hat sie gmp beim Landgericht Potsdam auf 80 Millionen Euro verklagt. Die Vorwürfe lauteten auch in diesem Fall: Es habe massive Fehlplanungen gegeben, von Gerkans Leute hätten sich nicht richtig gekümmert. Der Architekt wies die Kritik zurück. Fast 300 Forderungen, Umplanungen vorzunehmen, hätten das Vorhaben BER verkompliziert.