Flughafen: Gutachter: BER ist zu klein

Berlin - Auf 3,3 Milliarden Euro beziffert der Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa die Kosten für erforderliche Neuinvestitionen. In seinem Gutachten für die CDU-Fraktion im Brandenburger Landtag empfiehlt er zudem, Billig-Fluglinien aus dem BER-Terminal auf kleinere Flughäfen in Neuhardenberg und Cottbus zu verbannen.

Faulenbach da Costa war bis 2000 für den Baukonzern Hochtief an der Planung des Flughafens Berlin Brandenburg beteiligt, hat an zahlreichen Airports weltweit mitgebaut und arbeitet selbstständig in Hessen. Schon mehrmals hat er die Kapazitäten am BER als zu gering eingestuft, insbesondere bei Abfertigung und Gepäckanlage. In seinem Gutachten kommt er zum Schluss, dass ohne Änderungen „gewaltige betriebliche Defizite“ auflaufen – pro Jahr 190 Millionen Euro, die die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund ausgleichen müssten.

Das Hauptproblem sei die Vermischung von Billig- und Linienfliegern im Terminal. Deshalb werde es zu eng, die Servicequalität sinke „auf unterstes Niveau“, und die angestrebten Entgelte der Fluglinien seien nicht zu erzielen. Außerdem erwartet der Gutachter ständige Verspätungen und in der Folge mehr Nachtflüge als vorgesehen.

Die Flughafengesellschaft FBB wies die Kritik zurück. BER bringe „einen deutlichen Qualitätssprung“, erklärte Vorstandschef Rainer Schwarz. Der Flughafen werde „bedarfsgerecht gebaut“ und könne dauerhaft bis zu 45 Millionen Passagiere jährlich bewältigen. Mit 118 Check-In-Schaltern und 50 Check-In-Kiosken richte er sich an den mit den Fluggesellschaften abgestimmten realen Erfordernissen aus.

Grüne vermissen wichtige Akten

Die FBB warf Faulenbach da Costa vor, dass er sich selbst widerspreche. So habe er 2007 das neue Schönefelder Terminal noch als „ziemlich groß geraten“ kritisiert. Auch an den „völlig überdimensionierten Vorfeldern“ könne gespart werden, und das Gepäcksystem ließe sich stark vereinfachen.

Ebenfalls am Dienstag äußerte Andreas Otto, Sprecher der Grünen im Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des BER-Debakels, heftige Kritik. In den 47 Aktenordnern, die aus der Senatskanzlei eingetroffen sind, seien keine Protokolle des Flughafen-Aufsichtsrats oder der Gesellschafterversammlung zu finden. Damit lägen Dokumente, die für die Ausschussarbeit wichtig seien, nicht vor. „Das hilft uns nicht weiter. So können wir keine Zeugenbefragungen vorbereiten“, bemängelte Otto.

Der Ausschussvorsitzende Martin Delius (Piraten) teilte die Kritik nicht. „In dieser Phase sind Aufsichtsratsprotokolle nicht relevant“, sagte er. Zunächst wolle das Gremium die Vorgeschichte des neuen Schönefelder Flughafens aufarbeiten. Delius ging davon aus, dass dazu am 11. Januar die ersten Zeugen befragt werden. Inzwischen habe auch die FBB damit begonnen, Akten zur Verfügung zu stellen.