Flughafen Lärmschutz: Geld ohne Wenn und Aber

Berlin - Bislang war der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) kein Projekt, das besonders viel Anlass zu Optimismus bot. Doch das beginnt sich jetzt offenbar zu ändern. Denn nun zeigt auch Technik-Chef Horst Amann, der sich zuletzt mit Äußerungen sehr zurückgehalten hätte, deutlich mehr Zuversicht als bisher. „Zentrale Fragen sind gelöst, jetzt gehen wir an die Umsetzung“, sagte er der Berliner Zeitung. Auch beim Dauer-Streitthema Lärmschutz gibt es Fortschritte. Die Flughafengesellschaft sagte den Bürgermeistern der Umlandgemeinden zu, dass sie die strengen Vorgaben des Oberverwaltungsgerichts (OVG) umsetzt – „ohne Wenn und Aber“, wie es hieß.

„Absolut im Plan“

Lange sah es so aus, als würde sich im BER-Terminal nichts tun. Doch der Eindruck täuschte, sagte Amann. Experten waren damit beschäftigt herauszufinden, wo umgebaut werden muss. Die Bestandsaufnahme soll im Juli beendet werden: „Wir sind absolut im Plan.“

Parallel dazu wurde damit begonnen, Problemlösungen vorzubereiten und mit den Ämtern abzustimmen. Hier sei man weit gekommen, sagte Amann. So konnten die Planungen für die zwei zusätzlichen Sprinkleranlagen, die seit Jahren gefordert worden waren, beendet werden. Die große Entrauchungsanlage 14 wird durch zwei Anlagen ergänzt.

Auch für die Sanierung der Hohlräume in den Decken, in denen ein chaotisches und zuweilen gefahrenanfälliges Kabeldurcheinander gefunden wurde, gibt es nun Lösungen. Außerdem wurden Aufgaben neu verteilt, um Dinge voranzubringen. So ist jetzt die Firma Siemens für die Steuerung der Brandschutzanlage zuständig. Beim Bahnhof unterm Flughafen sind die Fluchtwege das Problem, sagte Amann im Juni der Sonderkommission BER. Sie seien noch nicht sicher. Doch inzwischen gibt auch dazu konkrete Ideen, hieß es nun. So könnten die Passagiere anfangs durch einen oben und seitlich abgeschotteten „Löwengang“ durch die Ebene -1 geführt werden. „Wir arbeiten eng mit dem Eisenbahn-Bundesamt zusammen“, so der Geschäftsführer. Intern hieß es, dass 2014 im Bahnhof erstmals Fahrgäste aussteigen.

„Schikanös und unseriös“

Mitte Oktober will Flughafenchef Hartmut Mehdorn mitteilen, wann der BER in Betrieb geht. Ob dies früher oder später im Jahr 2015 der Fall ist, hängt davon ab, wann die BER-Nordbahn saniert wird. Nun gibt es wieder Stimmen, die Piste vor der Gesamteröffnung zu erneuern. Davon unabhängig ist die Frage, ob Tegel offenbleibt. „Sie lässt sich klar beantworten: Tegel schließt sechs Monate nach der BER-Eröffnung“, hieß es in Gesellschafterkreisen. „Dieses Thema ist jetzt beendet.“ Auch beim Thema Lärmschutz gibt es eine Einigung. Alle Berechtigten, in deren Häusern und Wohnungen die OVG-Vorgaben umgesetzt werden können, erhalten die Kosten erstattet. Das sicherte Mehdorn Umland-Bürgermeistern am Donnerstag vergangener Woche zu. Es geht um 1300 Wohneinheiten, hieß es.

2700 Häuser und Wohnungen lägen dagegen so nahe am Flughafen, dass die Umbaukosten höchstwahrscheinlich 30 Prozent des Verkehrswerts übersteigen. Bei weiteren 10 000 Immobilien könnte das möglicherweise ebenfalls der Fall sein, weil das OVG-Niveau dort nur schwer zu erreichen sei, ergab eine andere Schätzung der Flughafengesellschaft FBB. Auch hier versprach sie, für „bestmöglichen baulichen Schallschutz“ zu sorgen. Das Recht, sich alternativ die 30 Prozent auszahlen zu lassen, bleibe gewahrt.

Ob tatsächlich so viele Bauten nicht richtig geschützt werden können, müsse erst noch genau untersucht werden, entgegnete Christine Dorn vom Bündnis Südost. „Für jedes Haus muss erst mal der für den Schallschutz nötige Aufwand ermittelt werden“, sagte Peter Ohm vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer. Stattdessen will die FBB nun zunächst in jedem Fall den Verkehrswert ermitteln lassen. „Jetzt den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun, ist schikanös und unseriös.“