Der Flughafen Tegel hat mehrere Seiten. Für lärmgeplagte Anwohner ist er ein Hassobjekt, für viele Berliner Passagiere der Lieblingsflughafen – und für die Betreiber eine Gelddruckmaschine. Im vergangenen Jahr hat der Gewinn, den die Berliner Flughafen-Gesellschaft (BFG) dort erzielt, einen neuen Rekordwert erreicht: 88,1 Millionen Euro. So steht es im jüngsten Geschäftsbericht der staatlichen Flughafengesellschaft FBB, der das Unternehmen gehört.

Damit ist der Überschuss deutlich höher als im Jahr davor. Doch auch 2013 hat der innerstädtische Flughafen der FBB eine stattliche Summe beschert: 54,9 Millionen Euro. 2012 betrug der Gewinn 80,3 Millionen Euro. So klein und beengt die Anlage wirkt, so antiquiert Technik und Bauten sind: Als Geldquelle ist TXL allemal gut.

Auf Verschleiß gefahren

Möglicherweise haben aber auch gerade diese Faktoren zum wirtschaftlichen Erfolg beigetragen. Seit Jahren investiert die Flughafengesellschaft dort nur das Nötigste, weil die Anlage stillgelegt werden soll – sobald der BER in Schönefeld öffnet. Dieser Sparkurs wirkte sich positiv auf den Gewinn aus. Er hat aber auch Schattenseiten.

Wie schlecht der Zustand des wichtigsten Flughafens dieser Region mittlerweile ist, zeigt eine interne Mängelliste, die der Berliner Zeitung vorliegt. So sind die Gepäckförderanlagen „veraltet und am Kapazitätslimit“, heißt es darin. „Defekte und Fehlbedienung führen zu häufigen Anlagenausfällen.“ Wie berichtet, steigt die Zahl dieser Störungen um 30 Prozent pro Jahr. Problemzonen sind auch die Leitungen für Trink-, Schmutz- und Feuerlöschwasser: Sie sind über 40 Jahre alt und verkrustet, Rohrbrüche und Verstopfungen sind häufig, so der Bericht.

Sanierung der Sanitäranlagen

Ebenfalls aus dem Jahr 1974 stammen viele Fahrbahndecken, zum Beispiel die der Vorfahrt. Hier drohten Schäden durch eindringendes Wasser – etwa in darunter liegenden Serverräumen. Nicht alle Toiletten genügten den Ansprüchen, „veraltete Ausstattung und Geruch“ seien häufig. Die Sanierung der Sanitäranlagen in den Terminals C und D gehört zu dem 19-Millionen-Euro-Investitionsprogramm, das die Flughafengesellschaft aufgelegt hat – weil der Betrieb sonst gefährdet wäre.

Der Flughafen Tegel ist aber auch deshalb so erfolgreich, weil er so beliebt ist. 2014 stieg die Zahl der Fluggäste um 5,6 Prozent auf 20,7 Millionen. Bei Langstreckenflügen nach New York betrug das Plus 17,6 Prozent, nach Katar 63,3 Prozent. Obwohl Tegel nicht dafür geplant worden ist, gibt es immer mehr Umsteiger, ihr Anteil beträgt nun acht Prozent. Auch die Einnahmen aus Mieten und Parkgebühren stiegen. Sogar die Erträge der Werbeflächen: „Die Ertragslage im Segment Flughafenwerbung hat sich sehr deutlich verbessert“, so der Geschäftsbericht.