Einen Kommentar lehnt man bei der Deutschen Bahn (DB) ab. Doch wer sich in ihrer Umgebung umhört, der erfährt, dass die Planer des Bundesunternehmens über die neueste Diskussion zum BER ungehalten sind. „Offenbar versuchen die Verantwortlichen, sich auf Kosten der DB zu entlasten“, hieß es am Montag in Bahnkreisen. Dabei sei klar: Für das jüngste Problem, das die für 2017 geplante Eröffnung des BER ernsthaft gefährden könnte, sei vor allem die Flughafengesellschaft FBB verantwortlich. „Sie hat dieses Thema verschlafen“, so die Kritik.

Die Flughafengesellschaft muss nachweisen, dass das Brandschutzkonzept für das BER-Terminal mit dem Konzept für den darunter liegenden Bahntunnel kompatibel ist. So verlangt es das Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald. Um den Nachweis zu führen, haben umfangreiche Simulationen begonnen. Erst wenn sie vorliegen, will die Behörde den Umbau der Entrauchungsanlage im Terminal genehmigen. Die FBB hofft, dass der ersehnte fünfte Nachtrag zur BER-Baugenehmigung im Mai eintrifft.

Weitere Berechnungen notwendig

Doch am Mittwoch sandte das Amt ein weiteres Schreiben – das im Flughafen-Aufsichtsrat für Aufregung sorgte. „Es gibt neue Anforderungen“, teilte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) verärgert mit. Die FBB müsse für weitere Szenarien des Bahnbetriebs nachweisen, dass bei einem Feuer kein Qualm in den Bahnhof und den Bahntunnel zieht.

Diese Berechnungen würden zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen. Dabei seien einige Szenarien, die betrachtet werden sollen, unrealistisch. Eines gehe davon aus, dass S-Bahnen Tempo 100 fahren – was der gängigsten Baureihe verboten sei. Damit liegt der Schwarze Peter bei der Bahn und deren Aufsichtsbehörde, dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA). Doch beide wollen den Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen. So hätten die Betriebsszenarien, für die Sicherheitsnachweise zu erbringen sind, bekannt sein müssen, so die Behörde. Sie seien dem Planfeststellungsbeschluss des Landes Brandenburg zugrunde gelegt worden. Die Genehmigung für den BER ist bereits seit 2006 bestandskräftig.

Michael Müller spricht mit allen Beteiligten

„Die Bedingungen sind seit langem klar“, hieß es auch in Bahnkreisen. Die Flughafengesellschaft müsse durch Tests nachweisen, dass das Brandschutzkonzept des Terminals zu dem Konzept für den Tunnel passt – bei sämtlichen Betriebsszenarien. Nur unter diesem Vorbehalt dürfe der Zugverkehr beginnen, heißt es in der Betriebsgenehmigung, die das EBA 2012 für den Bahnhof erteilte. „Dieses Thema ist bei der FBB über die Jahre aus dem Blick geraten“, so die Einschätzung bei der Bahn. Mitarbeiter wurden ausgetauscht, es herrschte Chaos.

Einen Vorschlag, das Problem zu entschärfen, habe die FBB vor Jahren abgelehnt. Die Bahn wollte wie im Berliner Nord-Süd-Tunnel sogenannte Schwallöffnungen einbauen. Damit könnte man den Unterdruck im Tunnel, den Züge erzeugen und der Qualm anziehen kann, verringern. „Doch die Öffnungen wären einer Fluggastbrücke im Weg“, hieß es. Stattdessen wurde die Situation komplizierter: Die FBB habe die Verteilerebene des Terminals, Verbindung vom Terminal zum Bahnhof, „offenbar nicht so gebaut wie ursprünglich geplant“, hieß es.

Erst im Februar 2016 wurde das gesamte Thema endlich aktuell – als das Bauordnungsamt die Flughafengesellschaft darauf hinwies, dass die geforderten Sicherheitsnachweise fehlen. Deren Bedingungen wurden der FBB bei Treffen am 4. und 12. April vor Augen geführt. Michael Müller will nun mit den Beteiligten sprechen. Alle müssten konstruktive Beiträge leisten, damit der BER fertig wird, kündigte er an.