Berlin - Er war der Hauptstadt-Flughafen der DDR. In den vergangenen Jahren wurde er immer weiter ausgebaut, und die Passagierzahlen nahmen zu. 2019 wurden in SXF rund 11,4 Millionen Fluggäste abgefertigt. Doch nun ist die Stilllegung des Flughafens Schönefeld in Sicht – und die Flughafengesellschaft schließt nicht aus, dass das heutige Terminal 5 des BER früher als zunächst mitgeteilt stillgelegt werden könnte. 

„Wir haben angekündigt, dass wir als Reaktion auf die Verkehrsentwicklung Terminal 5 spätestens zum Beginn des Sommerflugplans Ende 2021 vom Netz nehmen werden. Es könnte aber sein, dass der frühere Flughafen Schönefeld auch schon früher außer Betrieb genommen wird“, sagte Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der staatlichen Flughafengesellschaft FBB, der Berliner Zeitung. „Alles in allem gehe ich davon aus, dass die Schließung zwischen Ende Februar und Ende März 2021 vollzogen wird. Den genauen Termin stimmen wir derzeit mit unseren Kunden, den Airlines und Mietern im Terminal 5, ab.“ Mit der Stilllegung will die FBB Kosten sparen – 25 Millionen Euro pro Jahr.

Wie berichtet hat die Corona-Krise dazu geführt, dass die Zahl der Fluggäste auch in Berlin deutlich zurückgegangen ist. Im Vergleich zur selben Zeit der Vorjahres ist sie unter die Zehn-Prozent-Markt gesunken. Nachdem in Großbritannien nun eine besonders ansteckende Variante des Coronavirus festgestellt worden ist, wurde der Luftverkehr von dort nach Deutschland zu Montag eingestellt. In Schönefeld, seit November Terminal 5, wird sich die Zahl der Passagiere in diesem Jahr auf wenig mehr als drei Millionen summieren – das ist knapp ein Viertel des Aufkommens von 2019. 

Damit ist auch am BER ein wesentlicher Teil des verbliebenen internationalen Luftverkehrs weggefallen. In der Gegenrichtung finden zwar noch einige Flüge laut Plan statt. Doch sie dienen vorrangig der Rückführung von britischen Staatsangehörigen, touristischen und Geschäftsreiseverkehr gibt es dorthin nicht mehr. Das wird in Berlin die Passagierzahlen weiter sinken lassen – auch am früheren Flughafen Schönefeld und heutigen BER-Terminal 5, der unter anderem von Ryanair frequentiert wird. Dort wird sich die Zahl der Passagiere in diesem Jahr voraussichtlich auf wenig mehr als drei Millionen summieren, das ist nur knapp ein Viertel des Aufkommens von 2019.

„Terminal 5 wird zunächst ein Jahr lang nicht mehr genutzt“, sagte Lütke Daldrup. „Aus heutiger Sicht soll es sich also um eine vorübergehende Schließung handeln. Wenn absehbar ist, dass der Verkehr am BER wieder signifikant ansteigt, kann dieser Teil des Flughafens wieder in Betrieb genommen werden.“ Ende 2021 wird ermittelt, ob sich eine Wiederinbetriebnahme rechnen würde. Für Ende 2022 wäre dem Vernehmen nach die nächste Prüfung dieser Art angesagt. Fällt auch sie negativ aus, bliebe SXF zu - für immer. Der Flughafen Tegel ist bereits dicht, seit dem 8. November 2020.

Die südliche Start- und Landebahn des BER wird seit Anfang Dezember nicht mehr genutzt, was vor allem Aufwendungen für die Feuerwehr spart. „Bei ihr gibt es eine sehr kurzfristige Entscheidungslage. Hier wird im Monatsrhythmus anhand der Verkehrsentwicklung der Bedarf geprüft“, so der Flughafenchef.

Auch wenn es weniger Starts gibt als früher: Anwohner im Osten Berlins beschweren sich, dass sie massiv von Fluglärm betroffen sind – vor allem, seitdem nur noch die BER-Nordbahn zur Verfügung steht. Bei Ostwind leite die Deutsche Flugsicherung die Maschinen auf die Müggelseeroute, hieß es. Friedrichshagen gehöre zu den Ortsteilen, deren Bewohner unter den Lärmbelastungen leiden müssen. Für den 27. Januar 2021 lädt die Friedrichshagener Bürgerinitiative zu ihrer 500. Montagsdemonstration ein. Schauplatz des Protestes ist wie immer um 19 Uhr der Marktplatz an der Bölschestraße.

Am 4. Juli 2011 fand dort die erste Montagsdemo statt. „Nach 100 Wochen ununterbrochenem Protest – Montagsdemos, Klageeinreichungen, EU-Beschwerden, unzähligen Protestbriefen an Behörden und Politik, Menschenketten um den Müggelsee, das Bundeskanzleramt und das Rote Rathaus – und dem nun immer deutlicher werdenden gesamten Ausmaß des BER-Desasters ist eines klar: Ein leistungs- und zukunftsfähiges Flughafenkonzept für eine Stadt wie Berlin kann nicht erfolgreich am stadtnahen Standort Schönefeld betrieben werden“, hieß es damals.