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Optimismus hört sich anders an. Der aktuelle Zeitplan bis zur Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) ist „extrem knapp und absolut ambitioniert“. Das sagte der neue Technik-Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Horst Amann, am Montag. Geht der Flughafen wirklich am 17. März 2013 in Betrieb? „Dazu will ich mich nicht äußern.“

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Weiterhin gebe es zwei Problembereiche: der Brandschutz und die Kommunikation mit den Behörden. CDU-Politiker, die das Terminal besichtigten, teilten die Skepsis. Es gebe ein neues Problem mit der Entrauchungsanlage, berichteten sie. Damit nicht genug: „Die Baustelle wirkt unaufgeräumt und schmutzig. Ich habe nur 30 bis 50 Arbeiter gesehen“, sagte Dieter Dombrowski, Vize-Vorsitzender der CDU-Fraktion im Brandenburger Landtag. Dabei sollten 4 000 Menschen auf dem Gelände arbeiten.

Wenig Bauarbeiter im Terminal

Von dem neuen Problem erfuhren die Christdemokraten, als sie vor dem Rundgang mit Amann, Flughafenchef Rainer Schwarz und dessen Chefplaner Joachim Korkhaus sprachen. Es geht um die Entrauchungsanlage, die bei einem Feuer den Qualm nach draußen leiten soll. Sie funktioniert normalerweise mit Strom aus dem regulären Netz.

Bei Problemen soll ein Notstromaggregat anspringen. Jetzt geht es darum, wie schnell die Lüfter danach auf Touren kommen sollen. Die Verwaltung des Landkreises Dahme-Spreewald verlangt, dass die Anlage nach 15 Sekunden wieder die volle Leistung bringt. Doch das könne sie derzeit nicht schaffen, berichtete Rainer Genilke, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion.

Dies sei derzeit ein Streitpunkt, berichtete der Abgeordnete. „Wenn die Anlage neu geplant werden müsste, würde das zu Bauverzögerungen führen.“ Nur dann, wenn die Entrauchungstechnik ohne Umbauten in Betrieb genommen werden kann, ließe sich der Eröffnungstermin 17. März 2013 noch halten.

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Planer Korkhaus bekräftigte, dass die Brandschutzanlage weiter „auf dem kritischen Weg“ sei. Damit der BER pünktlich den Betrieb aufnehmen kann, müsse sie bis zum 18. Dezember fertig werden. Ob Umbauten fällig werden, sei derzeit noch nicht absehbar. Mit Ausnahmen: An einigen Stellen, an denen sich Kabelkanäle kreuzen, müsste es möglicherweise Erweiterungen geben. Dies beträfe aber maximal ein Prozent der Brandschutzanlage.

Auch Rainer Genilke wunderte sich, wie wenig Bauarbeiter im Terminal zu sehen sind. „Mit der Schlagzahl, wie sie jetzt vorgelegt wird, ist der Termin nicht mehr erreichbar“, befürchtete er. „Auf der Baustelle gibt es keine Ordnung, es fehlt die Führung.“ Genilke hat den Eindruck eines „Vakuums“. Damit meinte er: Amanns Vorgänger Manfred Körtgen wurde im Mai gefeuert, im Juni ereilte die Planungsgemeinschaft pg bbi das gleiche Schicksal.

Ein Flughafensprecher sagte dazu: „Das Terminal hat einige tausend Räume, von denen die CDU nur wenige gesehen hat.“ Derzeit werde nur im Ein-Schicht-Betrieb gearbeitet – und zu den rund 4000 Menschen gehörten nicht nur Bauarbeiter, sondern auch Sicherheitskräfte und Brandwachen, von denen pro Schicht 80 im Terminal aufpassen. Das Tempo wurde erst einmal gedrosselt, hieß es. Wenn nach der Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrats Mitte August klar ist, wie es weitergeht, könnte es wieder einen Drei-Schicht-Betrieb geben.

Horst Amann wurde gewarnt

„Natürlich gab es Kollegen, die mich davor gewarnt haben, nach Berlin zu gehen“, sagte Amann. Manch einer fragte ihn, warum er seinen sicheren Arbeitsplatz als Chefplaner des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport aufgebe, um am 1. August das Pleiten-, Pech- und Pannenprojekt BER zu übernehmen.

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„Aber ich wäre doch bescheuert, wenn ich so eine Herausforderung nicht annähme“, sagte Amann. „Ich will das Projekt zum Erfolg bringen.“ Damit der 59-Jährige in knapp drei Wochen richtig loslegen kann, bereitet er sich vor. „Mit lesen, lesen, lesen“ – Baupläne, Unterlagen, Akten. Mindestens einmal pro Woche ist er in seinem Schönefelder Büro, danach läuft er über die Baustelle. So lange der Ingenieur mit seinem Plan- und Aktenstudium nicht fertig ist, will er nicht sagen, ob der aktuelle Eröffnungstermin realistisch ist.

Nach dem Gespräch mit der CDU stand Amann vor dem neuen Besucherzentrum des BER auf einem Platz, den ein Verkehrszeichen merkwürdigerweise als Spielstraße kennzeichnet. Hinter ihm ragte drohend das neue Terminal auf. „Ich bin Stress gewohnt“, sagte er. Und fuhr wieder in sein neues Büro.

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