Berlin - Gleich zu Beginn der Internationale Tourismus-Börse (ITB) will das Bodenpersonal die beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld bestreiken und damit lahm legen. Ein Schock für die ITB-Veranstalter, die viele internationale Gäste erwarten. Einen drastischen Rückgang der Fachbesucher befürchtet die Messe Berlin aber nicht. Vorerst zumindest. „Im Moment sind wir noch hoffnungsvoll“, sagte ITB-Sprecherin Julia Wegener am Freitag.

Auf seiner Website weist der Veranstalter die erwarteten Besucher seit Freitag auf mögliche Beeinträchtigungen der Anreise durch einen Streik hin. Reisenden aus dem In- und Ausland empfiehlt die ITB Berlin dort, „gegebenenfalls auf andere Verkehrsmittel wie Zug, Bus oder Auto umzusteigen“.

„Wir hoffen, dass viele die Gelegenheit im Notfall nutzen“, sagte Wegener. Schließlich würde die Mehrzahl der internationalen Fachbesucher ohnehin über Frankfurt am Main nach Berlin reisen. Die ICE-Verbindung sei gut. Mit anderen Worten: Es kann auch Vorteile haben, dass der BER-Flughafen als internationales Luftdrehkreuz noch nicht in Betrieb ist. Sonst würde der angekündigte Streik wahrscheinliche mehr internationale Gäste direkt treffen.

Berlin-Werber für Einigung

Die Botschaft vom möglichen Streik am Flughafen blieb nicht lange ohne Wirkung. Bei Flixbus, dem in Deutschland mit Abstand größten Fernbus-Unternehmen, verzeichnete man am Freitagnachmittag auf den Metropol-Linien von Frankfurt am Main, München und Hamburg nach Berlin bereits einen Buchungszunahme um bis zu zehn Prozent. Allein von Frankfurt am Main aus wird Berlin 13 Mal am Tag angefahren.

Für die ITB steht bei einem Streik tatsächlich eine ganze Menge auf dem Spiel. Denn die Tourismus-Börse ist längst nicht mehr eine reine Publikumsmesse, sondern versteht sich selbst als Business-Plattform. Hier treffen sich Entscheider, Experten und Einkäufer aus allen Bereichen der touristischen Wertschöpfungskette, um sich über relevante Themen und aktuelle Trends zu informieren, Kontakte zu knüpfen und weltweite Geschäfte abzuschließen. Im vergangenen Jahr kamen rund 120 000 Fachbesucher zur ITB nach Berlin und brachten während der Messe-Tage Verträge mit einem Gesamtvolumen von rund sieben Milliarden Euro zum Abschluss. Für die diesjährige ITB hatte die ITB vor der Ankündigung eines möglichen Streiks mit über 100 000 Fachbesuchern gerechnet.

Berlins oberster Tourismuswerber Burkhard Kieker hofft noch auf eine Einigung: „Ich appelliere an das Verantwortungsbewusstsein der Verhandlungspartner auf Seiten der WISAG sowie bei der Dienstleistungsgesellschaft Verdi“, sagte Kieker, Geschäftsführer von visitBerlin. „Ein Streik genau zum Beginn der ITB Berlin wäre verheerend für das Ansehen Berlins und ganz Deutschlands angesichts Zehntausender internationaler Besucher, die davon betroffen wären.“ Sollte eine solche Auseinandersetzung notwendig sein, wäre die Durchführung ausgerechnet an diesen Tagen unverhältnismäßig.

In Berlin gibt man sich dennoch entspannt

Der Hotel- und Gaststättenverband Berlin (Dehoga) gibt sich ebenfalls besorgt. „Die angekündigten Streiks schaden einer anderen Branche, nämlich der Tourismus- und Hotelbranche“, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder. Das Signal, das Berlin damit an seine internationalen Besucher gebe, sei fatal.

Botswana ist das diesjährige Partnerland der ITB. In der Berliner Botschaft gibt man sich allerdings noch relativ entspannt. „Das läuft “, hieß es. Zumal die Delegation ja nicht in Berlin, sondern wohl in Frankfurt/Main landen werde.