Als Frontmann der kleinsten Oppositionspartei braucht man unverwechselbare Themen, um wiedererkannt zu werden. An diese realpolitische Faustregel hält sich FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja all zu gerne. Also redete er am Mittwoch beim wirtschaftspolitischen Frühstück der Industrie- und Handelskammer (IHK) länglich über sein Lieblingsthema Flughafen Tegel – respektive die Offenhaltung desselben. Schließlich hatte die Debatte Czaja und seine Partei aus der Bedeutungslosigkeit zurück ins Abgeordnetenhaus befördert. Man reitet ein Pferd, solange es irgendwie geht.

Sebastian Czaja sieht Tegel als FLughafen für innereuropäische Flüge

Also sagte Czaja bei der IHK: Je näher der Herbst 2020 rücke und damit der verkündete Eröffnungstermin für den BER, desto mehr werde „das Faktische immer stärker für Tegel sprechen“. Jeder wisse doch, dass der BER zum genannten Termin allenfalls in Teilen eröffnen könne. Um dennoch einen angemessenen Flugbetrieb zu sichern, habe er einen Vorschlag: „Im Zweifel erklärt man Tegel zum Terminal vom BER.“

Damit würde man quasi im Vorübergehen Fakten schaffen. Schließlich brauche man Tegel, wenn man, wie er, eine Langstreckenstrategie für den Flughafenstandort Berlin befürworte. Tegel könne der Flughafen für die innereuropäischen Flüge sein. Also müsse jetzt schon dringend in den Lärmschutz von Tegel investieren werden, weil zu Beginn kommenden Jahres ein besserer Schutz juristisch erforderlich ist.

Der FDP-Fraktionschef kann sich Zusammenarbeit mit CDU vorstellen

Am Ende kam der Gast um die Gretchenfrage nicht herum, wie er seine politische Ideen in Zukunft, also nach der Wahl 2021, umsetzen wolle. Keine triviale Frage für den Vertreter einer 8-Prozent-Partei, die als Mehrheitsbeschafferin durchaus gebraucht werden könnte.

Er könne sich eine Zusammenarbeit mit der CDU vorstellen, wobei diese „schnell ihre Führungsfrage klären muss“, sagte Czaja. Ein deutlicher Seitenhieb auf die Partei, in der sein großer Bruder Mario bekanntlich Vize-Fraktionsvorsitzender ist – und dessen Chef, Burkard Dregger, mächtig unter Druck steht. Doch auch die SPD sei ein möglicher Partner, zumal diese sich in anderen Konstellationen zum Beispiel in der Baupolitik wahrscheinlich auch anders verhalten werde.

Sebastian Czaja - „Ich würde Jamaika nach einer Wahl sondieren“

Im nächsten Atemzug erinnerte der FDP-Mann jedoch an die jüngsten Meinungsumfragen. So veröffentlicht etwa das Institut Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung zwar seit Monaten stabile rot-rot-grüne Mehrheiten, derzeit liegt die Koalition sie bei 57 Prozent. Es gibt jedoch auch eine – wenn auch kleinere – Mehrheit für Jamaika. Tatsächlich käme dieses Bündnis aktuell auf knapp ausreichende 49 Prozent, freilich mit der sehr berlinischen Reihenfolge Grün, Schwarz, Gelb.

, sagte Czaja. Und anders als sein Parteifreund Christian Lindner vor anderthalb Jahren im Bund würde er es auch zu Ende bringen, sagte er. „Wir können uns nicht fünf Jahre lang über r2g ärgern und sie kritisieren und dann keine Verantwortung übernehmen.“ Und falls jemand fragen sollte: Stimmen für die AfD stärkten Rot-Rot-Grün, weil die AfD für die bürgerlichen Parteien als Partner ausfalle.

Das wollte deren parlamentarischer Geschäftsführer Frank-Christian Hansel, der im Publikum saß, so nicht stehen lassen: „Wir sind eine bürgerliche Kraft. Bürgerliche Mehrheiten gibt es nur mit uns.“