Leere Hallen, verwaiste Check-In-Schalter, Ruhe für die Anwohner: Der Streik des Bodenpersonals gibt einen Vorgeschmack auf die Zukunft des Flughafens Tegel. Spätestens sechs Monate nach der Eröffnung des BER soll der innerstädtische Airport schließen – für immer. Doch der Verband der Geschäftsluftfahrt warnt davor, diesen Plan umzusetzen. Weil die Kapazität des neuen Schönefelder Flughafens viel zu gering sei, müsse Tegel unbedingt in Betrieb bleiben, sagte Verbandspräsident Peter Gatz von der German Business Aviation Association (GBAA) am Montag. „Tegel wird gebraucht, bis es eine belastbare Zukunftsperspektive und eine bessere Lösung für den Luftverkehr in Berlin gibt“, forderte er.

Auch der Verband der Businessflieger hat sich vom einstigen Hoffnungsprojekt BER mental verabschiedet. Der neue Flughafen sei zu klein, sagte Gatz’ Mitstreiter Hans-Henning Romberg. Für 2019, wahrscheinlich das erste BER-Betriebsjahr, werden in Berlin 40 Millionen Fluggäste erwartet, 2030 könnten es 62 Millionen sein – das BER-Terminal hat Platz für 22 Millionen.

Gatz bezweifelt, dass es möglich sei, die Anlage so auszubauen, dass die Kapazität auch für die fernere Zukunft reicht. „Dafür wäre eine dritte Start- und Landebahn nötig, aber davon hat man sich verabschiedet“, gab er zu bedenken.

Lieber Sperenberg als Schönefeld

Die „bessere Lösung“, die langfristig erforderlich sei, müsse woanders verwirklicht werden. Gatz: „In diesem Zusammenhang müssen wir uns mit Sperenberg auseinandersetzen.“ Auf der Suche nach dem besten Standort hatten sich Gutachter in den 1990er-Jahren für den Militärflugplatz der sowjetischen Streitkräfte, der rund 50 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ist, ausgesprochen – aber die Politik entschied sich für Schönefeld.

Bis der große Wurf gelingt, werde Tegel weiterhin benötigt. „Wir sind nicht die Tegel-Retter, die diesen Flughafen für alle Zeiten behalten wollen“, so Gatz. Doch der Weiterbetrieb wäre die „einzige Lösung, die wir brauchen, um handlungsfähig zu bleiben“ – und erreichbar für die steigende Zahl der Menschen, die nach Berlin reisen.

Ein Weiterbetrieb wäre in drei Formen möglich. Minimallösung: Tegel bliebe für die Geschäftsluftfahrt, die Flugbereitschaft der Bundeswehr, Kranken- und Organtransporte offen, sagte Romberg. Die nördliche Start- und Landebahn bliebe in Betrieb, die südliche Piste würde zum Rollweg. Für die geplante Gewerbeansiedlung wäre östlich des Terminals Platz.

Lärmschutz erst später

Die zweite Variante: Auch Linienverkehr bliebe möglich – ebenfalls nur auf der Nordbahn, mit kleineren Flugzeugen wie Airbus A 320 und Boeing 737 sowie ausschließlich am sechseckigen Terminal A. Statt derzeit bis zu 52 könnten bei dieser Lösung noch bis zu 40 Flugbewegungen stündlich abgewickelt werden, kalkulierte Romberg. Der Lärm würde abnehmen, die Anwohner würden entlastet, so Gatz.

Doch auch die komplette Offenhaltung mit der jetzigen Kapazität müsse eine Option bleiben, sagte Romberg. „Es kann sein, dass wir Tegel so brauchen, wie es ist.“ Die derzeitige Rechtslage schreibt vor, dass Tegel-Anwohner ab Januar 2019 Anspruch auf Lärmschutz haben. Diese Regelung müsse geändert werden, damit der Anspruch erst später beginnt, sagte er.

„Am wichtigsten ist, dass Tegel nicht zugemacht wird“, sagte Gatz. Doch der Senat und Anwohnerverbände wie die Initiative gegen das Luftkreuz auf Stadtflughäfen wollen weiterhin die Schließung.