Der Flughafen Tegel soll auch nach seiner vielleicht 2021 vollzogenen Schließung ein belebter Ort bleiben – und zwar zu jeder Tageszeit. Kultur soll es sein, die verhindert, dass abends und nachts Totenstille einkehrt. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sah sich am Dienstag in Begleitung von Vertretern der Clubcommission an, welche der 99 Gebäude nutzbar wären.

Drei Bauwerke sind in der Betrachtung: Die Catering-Halle, aus der heraus Flugzeuge mit Essen beladen werden, das Autovermieter-Haus gleich neben dem Parkhaus, und die Lärmschutzhalle neben den Hangars. Grob angedacht, soll die Catering-Halle, mit 4000 Quadratmetern das größte in Frage kommende Objekt, der Clubkultur dienen. Lutz Leichsenring von der Clubcommission, die 220 Clubs vertritt, stellt sich eine vielfältige Nutzung vor: Tanz, Musik, Ausstellungen, Flohmärkte, Tonstudios.

Lärmschutzhalle kann heftige Bässe abfangen

„Wir wollen hier eine Kreativszene sehen, die entwickelt und ausprobiert, und die in der Lage ist, auch ein Nischen-Publikum anzuziehen. In Räumen, die von den Kreativen noch nicht erforscht sind“, erklärt Leichsenring. Was man nicht wolle: Die Art von Kreativen, die in schicken Agenturen arbeitet.

In das gut 850 Quadratmeter große Autovermieter-Haus – so denkt man bei der Tegel Projekt GmbH – könnten wegen der guten Lichtversorgung Ateliers einziehen. Die Lärmschutzhalle schließlich könnte als Bühne die tanzwütigen Massen zu Open-Air-Raves einladen. Bislang dient das zeltähnliche Gebäude dazu, dass Flugzeuge nach Triebwerk-Wartung oder -Reparatur rückwärts heranfahren, um die Turbinen auszuprobieren, ohne dass die Wohngebiete dahinter von Krach überflutet werden. Da kann sie auch heftige Bässe abfangen.

Fluchtpunkt für Clubs aus Mitte

Leichsenring hat keine Befürchtung, dass der Flughafen für die Szene zu weit draußen ist. Die Partyreihe „Heideglühen“ funktioniere an der Beusselstraße auch, obwohl die nicht gerade in der Innenstadt liegt.

Philipp Bouteiller, der Chef der Tegel Projekt GmbH, sieht keine Konkurrenz der erhofften neuen Szene zu den Innenstadtlagen: „Wir werden immer mehr in Berlin, das wären zusätzliche Standorte.“ An eine Umsiedlung von Clubs nach Tegel sei generell nicht gedacht, vielleicht könne der Airport aber ein Fluchtpunkt sein: „Hier können wir den Clubs die Freiheit bieten, die in Mitte zunehmend verschwindet.“

Kulturelle Angebote am Flughafen

Bouteiller, dessen Firma die Nachnutzung des Flughafengeländes plant, war schon seit anderthalb Jahren mit Kultursenator Lederer im Gespräch. Es ging vor allem darum, dass die Szene in Berlin unter Platzmangel leidet, und sich der Flughafen mit rund 300.000 Quadratmetern Gebäudefläche als neues Quartier anbiete. „Wir wollten von Anfang an die Kultur mitdenken“, sagt der Manager. Insgesamt soll in Tegel eine „Urban Tech Republic“ entstehen: Im Terminal die Beuth-Hochschule, außen herum Wissenschaft und Forschung, auf dem Flugfeld Industrie, in Richtung Hohenzollernkanal Gewerbe und Dienstleistungen.

Lederer hält den Mix für unbedingt notwendig: „Das hier wird Stadt.“ Es werde kein reiner Arbeits-Standort, auch weil am Rande des Flugfelds 5000 Wohnungen für 10.000 Menschen in Planung sind. Deren Bewohner, vor allem aber Studenten und Start-up-Mitarbeiter würden in den Genuss kultureller Angebote am Flughafen kommen.

Natürlich würden die Umbauten Geld kosten. Woher es kommt, sei noch nicht klar, aber es müsse ohnehin etwas in die unter Denkmalschutz stehende Catering-Halle gesteckt werden. Da wäre es besser, sie denkmalgerecht zu sanieren und für den neuen Zweck herzurichten, als sie als Denkmal zu sichern und nicht zu nutzen.