Abendstimmung am Flughafen Tegel. 
Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinWeiterhin ist ungewiss, ob der Flughafen Berlin-Tegel vorzeitig schließt – oder erst im November 2020. Doch fest steht: Bis die Corona-Pandemie damit begann, auch Tegel zu leeren, war er eine Goldgrube. Im vergangenen Jahr hat die Berliner Flughafen-Gesellschaft (BFG), die diese Anlage betreibt, einen Gewinn in Höhe von 130,9 Millionen Euro erzielt. Das teilte die BFG-Muttergesellschaft mit. Zwar liege das operative Ergebnis unter dem Bestwert von 2018 – damals wurden mit einem Plus von 142,1 Millionen Euro noch dickere schwarze Zahlen verbucht. Doch das Ergebnis war ansehnlich genug, um zu verhindern, dass der Konzernverlust im vergangenen Jahr über die 100-Millionen-Euro-Marke rutschte.

Auch 2019 war für den Flughafen im Nordwesten Berlins ein Jahr der Rekorde. Die Zahl der Passagiere stieg um zehn Prozent auf mehr als 24,2 Millionen. Bei den Starts und Landungen betrug das Plus 3,4 Prozent, fast 194.000 Flugbewegungen wurden in Tegel registriert. Jedes Mal kassiert der Betreiber Entgelte von den Airlines. Geschäfte und Gastronomiebetriebe, die von Flughafennutzern frequentiert werden, bringen weiteres Geld in die Kassen.

Da in Tegel über Jahre hinweg nur das Nötigste investiert wurde, weil die Schließung und die Verlagerung des Verkehrs zum BER absehbar waren, kamen stets beachtliche Gewinne zusammen. Doch die Coronakrise hat auch in Tegel den Luftverkehr einbrechen lassen. So wurden auf dem einst so belebten Flughafen im April nur noch rund 22.000 Passagiere abgefertigt – 98,9 Prozent weniger als im selben Monat des Vorjahres. Die Zahl der Starts und Landungen schrumpfte um 94,7 Prozent. Angesichts der leeren Terminals, Vorfelder und Pisten hat die Flughafengesellschaft am 29. April beantragt, ab Anfang Juni für zwei Monate von der Betriebspflicht für Tegel befreit zu werden.

Allerdings gab der Bund, einer der drei Gesellschafter des Staatsunternehmens, der FBB erst vor zwei Wochen Handlungsfreiheit, zum 15. Juni. Inzwischen haben sich zudem die Bedingungen verändert, der Luftverkehr nimmt auch in Berlin langsam wieder zu – weshalb die FBB nun ernsthaft erwägt, Tegel nun doch nicht mehr vorzeitig zu schließen. Um sich alle Möglichkeiten zu sichern, hält sie den Antrag aber trotzdem aufrecht. Flughafensprecher Hönemann kündigte an, dass so bald wie möglich zusätzliche Unterlagen eingereicht werden. Ein neuer Antrag sei aus Sicht der FBB nicht nötig und auch nicht geplant, betonte er - „weil sich dem Grunde nach nichts an unserem Begehren verändert hat“.

„Wieviel Zeit die Prüfung in Anspruch nimmt und ob erneut eine Anhörung nötig wird, lässt sich nicht prognostizieren“, sagte Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung. Zu ihr gehört die Oberste Luftfahrt- und Luftsicherungsbehörde des Landes Berlin, die für den Flughafen Tegel zuständig ist. „Eine neue Anhörung ist nach Rechtslage dann unverzichtbar, wenn ein Antrag neue oder geänderte Betroffenheiten auslöst oder sich relevante Umstände geändert haben“, erklärte er. „Einen detaillierten Zeitplan können wir gleichwohl nicht nennen. Die Oberste Luftfahrtbehörde bearbeitet das Verfahren ebenso zügig wie sorgfältig, um Klagen gegen einen Bescheid, wie auch immer er ausfällt, nach Möglichkeit von Vornherein zu vermeiden.“