Was viele Fluggäste schon seit Längerem geahnt haben, bestätigen jetzt interne Papiere der Flughafengesellschaft. „Alle Terminals operieren an der Kapazitätsgrenze“, heißt es darin. Wenn auch nur ein Terminal ausfalle, drohe der „Systemzusammenbruch“. Nun hat die Flughafengesellschaft damit begonnen, für 20 Millionen Euro die schlimmsten Schwachstellen zu beseitigen. „Bald werden die ersten Projekte fertig“, sagt Sprecher Lars Wagner.

Ein ganz normaler Tag in Tegel: Sämtliche Sitzbänke sind besetzt, das Gepäck lässt auf sich warten, auch die Toilettenanlagen sind dem Andrang nicht mehr gewachsen. Dem wichtigsten Flughafen von Berlin droht die Überlastung. 1994 musste Tegel 7,2 Millionen Fluggäste bewältigen, im vergangenen Jahr drängten sich dort bereits fast 18,2 Millionen Fluggäste.

In einzelnen Bereichen ist die Auslastung dramatisch gestiegen, wie die Analyse der Flughafengesellschaft zeigt. So habe die Nutzung des Terminals D in den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres um rund ein Viertel, die des Terminals B sogar um 64,9 Prozent zugenommen. Im Terminal C, der von Air Berlin genutzt wird, lag der Rekord bei 1 936 Passagieren pro Stunde: Am 22. Juli wurden pro Minute 32 Fluggäste abgefertigt.

Weil der neue Schönefelder Großflughafen BER immer noch nicht offen ist, setzt sich der Boom fort. Einer aktuellen Hochrechnung zufolge muss Tegel in der diesjährigen Sommerflugplanperiode, die von April bis Oktober dauert, 3,6 Prozent mehr Passagiere verkraften als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres.

Noch mehr Fluglärm

Auch die Zahl der Starts und Landungen nimmt zu – um anderthalb Prozent. Die mehr als 300 000 Anwohner in Pankow, Reinickendorf und Spandau müssen noch mehr Fluglärm verkraften.

Damit nicht genug: Die Flughafengesellschaft erwartet eine weitere Steigerung der Tages- und Spitzenstundenlasten. Dabei ist die Situation schon jetzt prekär, wie ihre Analyse belegt. Beispiel: Weil immer mehr Passagiere in Tegel umsteigen, stößt die Transfergepäckhalle täglich an ihre Grenzen. Stellflächen fehlen – was dazu führt, dass Transfergepäck von Lufthansa-Kunden außerhalb der Halle sortiert werden muss. Immer mehr Gepäck bleibt stehen.

Auch das Zollgepäcklager sei oft überlastet. „Der Zoll kündigte mehrfach die Sperrung des Bereichs an“, so der Bericht. Die Gepäckausgabe, in der Passagiere ihre verzollten Koffer abholen, habe eine „miserable Außenwirkung“. Der Abholbereich sei „äußerst unattraktiv“ und zu klein.

Endlich neue Toiletten

Noch schwieriger sei die Situation bei der Luftfracht. Auch dieser Bereich werde immer stärker genutzt. „Die Kapazitätsgrenze wird täglich erreicht“, heißt es. Bei der Fracht, die in Tegel umgeladen wird, sei sie inzwischen überschritten. Deren Aufkommen stieg allein seit 2010 um 60 Prozent.

Im Januar hat der Aufsichtsrat die Ertüchtigung Tegels beschlossen, inzwischen wird an einigen Stellen gearbeitet – zum Beispiel in den Toiletten an den Gates A 1 und A 9. „Wir können nachvollziehen, dass Fluggäste über den Zustand der Toiletten verstimmt sind“, sagt Lars Wagner. Darum werden in den Terminals A und B alle Sanitäranlagen saniert.

Auch in die Gepäckabfertigung wird investiert. So erhält das Terminal D ein neues Koffertransportband, das im Juli fertig ist. Die Transfergepäckhalle wird mit zwei Leichtbauten erweitert, die Zollgepäckhalle mit einem Vorbau. Für die Fracht wird eine weitere Halle hergerichtet.

Für Umsteiger entsteht bis August ein Durchgang zwischen den Terminals C 2 und C 3. „Als Tegel entstand, gab es dort keine Transferpassagiere“, sagt der Flughafensprecher. Die Zeiten haben sich geändert. „Wir können den Verkehr bewältigen. Doch Tegel kann den BER nicht ersetzen.“