Der vor genau zehn Jahren stillgelegte Flughafen Tempelhof gilt als eines der größten Gebäude Europas. Tausende Quadratmeter sind bislang ungenutzt. Doch für die Grün Berlin GmbH ist der ehemalige Airport dennoch zu klein. Weil sich im Gebäude keine Flächen für die Unterbringung von weiteren Beschäftigten finden ließen, ist die landeseigene Gesellschaft Ende September aus dem Flughafen ausgezogen – in das Ullsteinhaus am Mariendorfer Damm.

„Der Umzug war notwendig, um den erweiterten Aufgaben der Grün Berlin GmbH und damit verbunden Personalzuwachs Rechnung zu tragen“, begründet Dorothee Winden, Sprecherin der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr, die Entscheidung. „Weitere Büroflächen konnten am Standort THF nicht zur Verfügung gestellt werden“, so Winden. Die Sprecherin der Umweltverwaltung beschreibt damit ein Dilemma der Berliner Stadtentwicklung. Denn zehn Jahre nach Einstellung des Flugbetriebs in Tempelhof stehen im Airport zigtausend Quadratmeter unsaniert leer.

Es gibt eine umfangreiche Bewerber- und Interessentenliste

Das Flughafengebäude verfügt über eine Bruttogeschossfläche von rund 300.000 Quadratmetern. Nutzbar davon sind nach Angaben der Tempelhof Projekt GmbH, die für den stillgelegten Airport zuständig ist, aber nur etwa 205.000 Quadratmeter. Als nicht nutzbar gelten Technikräume, Bunker und Keller. Tatsächlich vermietet sind laut der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nur 128.766 Quadratmeter – und selbst davon sind viele Flächen noch nicht saniert, wie etwa die Räume für die Polizei.

Mietinteressenten sind dabei durchaus vorhanden: Laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gibt es „eine umfangreiche Bewerber- und Interessentenliste für die Anmietung von Flächen“ in Tempelhof, die zur Zeit jedoch noch nicht bedient werden könne. Die Anfragen würden gesammelt, um sie mit den Sanierungsmaßnahmen zu koordinieren. Soll heißen: Wenn die Flächen saniert sind, sollen sie vermietet werden – wenn die Interessenten dann nicht woanders untergekommen sind, wie Grün Berlin.

Neuvermietung gestaltet sich als schwierig

Die landeseigene Gesellschaft hat sich für zehn Jahre im Ullsteinhaus eingemietet. „Wir bedauern den Auszug von Grün Berlin, können ihn jedoch nachvollziehen“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Tempelhof Projekt GmbH werde die freiwerdenden Flächen sicherlich bald neuen Mietern zur Verfügung stellen können.

Immerhin: Die rot-rot-grüne Koalition hat in diesem Jahr rund 132 Millionen Euro für die Sanierung des Flughafen Tempelhof zur Verfügung gestellt. Das ist aus Sicht der Beteiligten vor Ort wichtig. Benötigt werden aber tatsächlich 300 bis 500 Millionen Euro. Was die Herrichtung der Flächen zusätzlich erschwert: Der Flughafen Tempelhof wurde seinerzeit ohne Baugenehmigung errichtet. Zwar gibt es für ältere Mietverträge Bestandsschutz, doch beim Abschluss neuer Dauermietverträge müssen einzelne Baugenehmigungen erwirkt werden, wie es heißt. Das macht die Neuvermietungen im Flughafen zu einem aufwendigen Unterfangen. „Die Flächen verfügen überwiegend nicht über die heute aktuell genehmigungspflichtigen Brandschutzanlagen und zusätzliche Fluchtwege“, sagt Petra Rohland. Alle Flächen, die neu vermietet werden, benötigten „eine Schadstoffsanierung und eine vollständige Überarbeitung der Statik.“ Die Flächen entsprächen zudem nicht den aktuell gültigen Richtlinien der Statik. Darüber hinaus seien viele Räume mit elektrischen Anlagen ausgestattet, die aus Sicherheitsgründen heute nicht mehr zugelassen seien.

Auf dem Gelände soll ein Museum und eine Galerie entstehen

Das Airportgebäude soll offiziell zum neuen Stadtquartier für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft werden. Derzeit läuft mal wieder eine Bürgerbeteiligung zur Zukunft des Gebäudes. Solche Ideensammlungen gab es schon öfter. Positiver Nebeneffekt: Sie schaden nicht und verschaffen den Beteiligten Zeit, bis Vermietungserfolge vorzuweisen sind.

Während sich Sanierung und Vermietung der Gebäudeflächen hinziehen, kommt die Planung für die Öffnung des ehemaligen Airports für die Bürger voran. So fiel in diesem Jahr die Entscheidung über den Bau einer Geschichtsgalerie, die auf dem Dach des 1,2 Kilometer langen Flughafengebäudes entstehen soll. 17,6 Millionen Euro stehen dafür bereit. Die Arbeiten sollen 2019 starten. Neben der Galerie soll der ehemalige Tower zugänglich gemacht werden. Außerdem ist vorgesehen, dass das Alliiertenmuseum in den Hangar 7 einzieht. Die Arbeiten sollen voraussichtlich 2020/21 starten. Das Alliiertenmuseum will dort seine Großobjekte in den Mittelpunkt einer Dauerausstellung rücken. Dazu gehört die ehemalige Kontrollbaracke vom Grenzübergang Checkpoint Charlie.