Auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof sollen immer mehr Flüchtlinge untergebracht werden. Nachdem der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) bereits angekündigt hat, alle sieben Hangars als Notunterkunft zu nutzen, sollen jetzt auch Flächen am westlichen und östlichen Rand des Tempelhofer Feldes für eine Unterbringung herangezogen werden oder als Reserve dafür dienen.

Doch es gibt ein Problem: Nach dem Volksentscheid zum Tempelhofer Feld vom Mai 2014 ist jegliche Bebauung der Freiflächen verboten. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) will das Tempelhof-Gesetz deswegen ändern. „Unsere Idee ist es, einen Paragrafen einzufügen, der klar regelt, was wie lange und an welchen Stellen möglich sein soll“, sagte Geisel am Mittwoch.

„Es geht um die Möglichkeit, befristet bis 2019 am Tempelhofer Damm Tragluft- und andere Hallen aufstellen zu können“, so der Senator. „Damit wir das Tempelhof-Gesetz nur einmal ändern müssen, haben wir uns entschieden, auch Flächen auf Neuköllner Seite in den Paragrafen mit aufzunehmen.“ Das sind Areale an der Oderstraße. Damit solle „Vorsorge“ getroffen werden, falls sich die Flüchtlingssituation nicht entspanne, sagte Geisel.

Konkrete Maßnahmen wie am Tempelhofer Damm, wo die Blumenhalle für die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2017 errichtet werden soll, gebe es auf Neuköllner Seite aber noch nicht. Geisel sagte, es müsse dafür gesorgt werden, dass in den Sporthallen, die zurzeit mit Flüchtlingen belegt sind, wieder Sport getrieben werden könne. Deswegen schaue man sich in der gesamten Stadt alle zur Verfügung stehenden Flächen und Immobilien an.

Die Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld, die im vergangenen Jahr den Volksentscheid gegen die Bebauung des Feldes zustande gebracht hat, äußerte sich zurückhaltend. Ihre eigentliche Arbeit sei mit dem Volksentscheid geendet, sagte Vorstandsmitglied Michael Schneidewind. „Jetzt liegt der Ball im Abgeordnetenhaus.“ Schneidewind kritisiert zugleich die Flüchtlingspolitik. „Das Organisationsversagen“ beim Registrieren der Flüchtlinge führe dazu, dass diese lange Zeit in den Erstaufnahmezentren leben müssten. Deshalb entstehe ein räumliches Problem, es müssten immer mehr Standorte für neue „Wartehallen“ gesucht werden. Ein Blick in die Niederlande zeige, dass es auch schneller gehe. Die Grünen forderten, der Senat sollte stärker auf eine dezentrale Unterbringung setzen.