Berlin - Der Flughafen Tempelhof ist Geschichte: Das war ein vielgeschriebener und zitierter Satz, als auf dem Flugfeld im Süden Berlins vor drei Jahren der Luftverkehr endgültig eingestellt wurde. Und diese Feststellung stimmt im doppelten Sinne des Wortes - ist doch kaum ein Platz in der Innenstadt so mit der deutschen Geschichte verbunden. Das mögen viele nicht wissen, die das Flugfeld allenfalls mit den Monaten der alliierten Luftbrücke 1948/49 für das von der Versorgung abgeschnittene West-Berlin in Verbindung bringen. An diese Zeit erinnert das vor dem Flughafen stehende Denkmal - im Volksmund auch Hungerharke genannt.

Zwischen 1936 und 1941 errichtet, war der Flughafen einer der Prestigebauten des faschistischen Deutschlands. Und das überdimensionierte, 1,3 Kilometer lange Flughafengebäude sollte nicht nur zur Abwicklung des damals noch ziemlich dürftigen Flugreiseverkehrs dienen, sondern auch als riesiger Aufmarschplatz für die Gefolgschaft der braunen Machthaber. "Auf den Dachterrassen sollte Platz für rund 80.000 Menschen sein, der Flughafen faktisch auch als riesiges Stadion dienen", sagt die Kunsthistorikerin Beate Rossié.

Unrühmliche Geschichte

Zusammen mit Publizistin Stefanie Endlich und Kuratorin Monica Geyler von Bernus hat Rossié im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein Konzept erarbeitet, wie an die Geschichte des Tempelhofer Feldes erinnert werden soll. Rund 20 Tafeln wollen die drei Frauen auf dem weitläufigen Flugfeld aufstellen lassen. Auf denen soll beispielsweise an das Columbia-Haus erinnert werden. "Was viele nicht wissen, dort hatten die Nationalsozialisten das einzige KZ auf Berliner Boden eingerichtet", erzählt Endlich.

In dem früheren Militärgefängnis am Columbiadamm wurden seit der Machtergreifung der Nazis 1933 rund 8000 Menschen eingesperrt. "In dem Lager wurde die politische Elite der Weimarer Republik gefangen gehalten." Erinnern wollen die Wissenschaftlerinnen auch an das Zwangsarbeiterlager auf dem Flughafenareal.

Circa 2000 Ausländer wurden dort ausgebeutet. Sie mussten in den Flughafenhallen und in unterirdischen Anlagen Kriegsflugzeuge montieren und warten. Auftraggeber war die Firma Weser-Flugzeugbau aus Bremen, auch die Lufthansa war daran beteiligt.

Zu sehen ist von den beiden historischen Stätten nichts mehr: Das Columbia-Haus wurde 1936 geschlossen, die Häftlinge wurden ins KZ Sachsenhausen verlegt, das Haus wurde dann 1938 wegen der beginnenden Bauarbeiten für den Flughafen abgerissen. Das Zwangsarbeiterlager - bestehend aus etwa 30 Baracken - zerstörten im Krieg alliierte Bomber. Wohl auch deshalb ist die unrühmliche Geschichte des Flughafens und des Tempelhofer Feldes nicht mehr so präsent.

Über Anfänge des Tempelhofer Feldes berichten

Die Forscherinnen, die auch für die historische Kommentierung des Olympia-Geländes verantwortlich zeichneten, wollen auf ihren Bild-Text-Tafeln auch über die Anfänge des Tempelhofer Feldes berichten. "Es wurde seit 1722 als Exerzierplatz genutzt", sagt Endlich. Die Nazis erkannten sofort das Potenzial des riesigen Areals. Deshalb ließ Adolf Hitler am 1. Mai 1933 dort mit einem Großaufmarsch den "Tag der Arbeit" feiern. Die Tribüne für die Propaganda-Schau hatte übrigens Albert Speer, der spätere Baumeister des "Führers", entworfen. Am folgenden Tag wurden die Gewerkschaften verboten und zerschlagen, ihr Besitz wurde gestohlen.

Im November sollen die ersten drei Tafeln aufgestellt werden und an das Columbia-Haus und das Zwangsarbeiterlager erinnern, sagt Martin Pallgen, Sprecher der Tempelhof Projekt GmbH.