Berlin/Schönefeld - Angesichts der ungelösten Bauprobleme am Großflughafen BER erwägen die Verantwortlichen eine schrittweise Inbetriebnahme und einen deutlich längeren Flugbetrieb in Tegel. „Wir denken über alles nach“, sagte der Vorstandschef der Flughafengesellschaft FBB, Hartmut Mehdorn, am Freitag. Der Aufsichtsrat hatte zuvor sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“ gebilligt, das eine Umorganisation der am Projekt beteiligten Mitarbeiter vorsieht.

Im Gespräch ist etwa eine vorgezogene Nutzung der südlichen Startbahn und von Teilen des Terminals. Entschieden sei aber nichts, hoben Mehdorn und Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) hervor. Der Brandenburger Ministerpräsident sagte, der Flughafen Tegel könne auch länger als die rechtlich vorgesehenen sechs Monate nach dem Betriebsstart des BER offengehalten werden, um diesen zu erleichtern. „Wir werden über ein, zwei, drei Monate reden müssen“, so Platzeck. Er rückte damit vom strikten Nein zur Offenhaltung Tegels ab und widersprach indirekt dem Berliner Senat, der auf die Halbjahresfrist pocht. Einen Parallelbetrieb beider Flughäfen auf Dauer, wie ihn Mehdorn befürwortet, lehnte Platzeck jedoch ab.

Einen Termin für die Eröffnung des BER oder einen Zeitplan bis dahin wollte Mehdorn nicht nennen. „Das geht heute noch nicht“, sagte er und verwies auf die laufende Bestandsaufnahme der Mängel. Platzeck sagte nur: „Wir sind ein erhebliches Stück vorangekommen.“

Mehdorn soll in Kürze einen Finanzvorstand zur Seite bekommen. Darauf hatte der Bund als dritter FBB-Gesellschafter neben Berlin und Brandenburg gedrungen – wegen der auf 4,3 Milliarden Euro gestiegenen Baukosten und möglicher weiterer Risiken. Platzeck sprach sich für eine Frau auf dem neuen Posten aus; Gespräche laufen in den nächsten Tagen. Nach Informationen des Tagesspiegel soll die frühere Finanzchefin des Hamburger Flughafens, Heike Fölster, den Posten übernehmen. Flughafensprecher Ralf Kunkel bestätigte dies am Freitag nicht.

Platzeck gab zwei andere Personalentscheidungen bekannt. Der bisherige Chef des Regionalflughafens Paderborn, Elmar Kleinert, soll den Flugbetrieb der FBB leiten und sich vor allem um den Flughafen Tegel kümmern, der seine Kapazitätsgrenze längst überschritten hat. Neues Mitglied im Aufsichtsrat wird für Brandenburg Wolfgang Krüger, Chef der Industrie- und Handelskammer Cottbus.