Der Teilrückzug der Modemesse Bread & Butter aus dem ehemaligen Flughafengebäude in Tempelhof führt nicht dazu, dass der Airport als Veranstaltungsort in Frage gestellt wird. Das Interesse an Flächen sei hoch, sagte am Donnerstag Pascal C. Thirion, Bereichsleiter Eventlocation bei der Tempelhof Projekt GmbH. Im November werde erstmals der Bundespresseball dort stattfinden, im Dezember erneut die Livesendung „Ein Herz für Kinder“ ausgestrahlt.

Wie berichtet, will die Modemesse von 2015 an nicht mehr im Januar und Juli, sondern nur noch ein Mal im Jahr nach Tempelhof laden – im Sommer. Damit verringert einer der wichtigsten Mieter seine Präsenz in Tempelhof. Am Donnerstag gab der Bread-&-Butter-Chef Karl-Heinz Müller bereits den Termin für Barcelona bekannt, den 8. bis 10. Januar. Finanzielle Auswirkungen soll das aber nicht haben.

Gerhard W. Steindorf, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH, sagte, Müller habe angekündigt, „seinen Vertrag mit uns zu erfüllen“. Rund 1,6 Millionen Euro an Mieteinnahmen sollen jährlich durch die Modemesse in die Kasse kommen. Der auf zehn Jahre abgeschlossene Mietvertrag läuft noch bis 2019 – mit Option auf Verlängerung um weitere zehn Jahre.

Hangars und Haupthalle sollen auch künftig als Veranstaltungsort genutzt werden. Für Veranstaltungen sind die Hangars „perfekt“, sagt Martin Pallgen, Sprecher von Tempelhof Projekt. „Und die Denkmalschützer umarmen uns.“ Denn die Veranstalter nutzen Hangars und Haupthalle so, wie sie sind – es gibt keine Einbauten, die das denkmalgeschützte Gebäude verschandeln.

Fast 700.000 Besucher

Als sich die Modemesse vor fünf Jahren entschied, nach Tempelhof zu kommen, war sie noch der einzige große Nutzer dort. Inzwischen haben sich die früheren Flugzeughallen jedoch zu einer gefragten Location entwickelt. Im vergangenen Jahr fanden dort 70 Veranstaltungen mit fast 700.000 Besuchern statt – von der Sportmesse Berlin Vital über die Designmesse DMY bis zur Musikveranstaltung. Die Auslastung der Event-Flächen liegt nach Angaben der Tempelhof Projekt aufs Jahr berechnet bei über 40 Prozent.

Inzwischen decken die Mieteinnahmen sogar die Bewirtschaftungskosten. Im vergangenen Jahr kamen 13,2 Millionen Euro in die Kasse. Dem standen Ausgaben für Instandhaltung und Betriebskosten in Höhe von 12,9 Millionen Euro gegenüber. Die Ausgaben für eine Sanierung des Gebäudes lassen sich aus den Einnahmen freilich nicht finanzieren.

„Wir rechnen zurzeit mit einem Investitionsbedarf von zirka 140 Millionen Euro bis 2025, um das Gebäude so weit zu ertüchtigen, dass es heutigen Vermietungsstandards entspricht“, sagt Martin Pallgen. Wie marode das Gebäude ist, zeigt ein Blick unters Dach. Es ist undicht, Regenwasser wird schon mal mit Planen aufgefangen, die unter der Decke hängen. Immerhin: Die Dachsanierung läuft.

Das Land Berlin kann sich zwar freuen, dass es mit der Bread & Butter einen Groß-Mieter in Tempelhof hat, doch für die Nachnutzung des Flughafengebäudes war die Modemesse nie unproblematisch. Grund: Sie blockiert eine auf Dauer angelegte andere Nutzung der Hangars und der Haupthalle. Solange die Modemesse in Tempelhof ist, wird es dort nur temporäre Veranstaltungen geben können.

Lediglich für den Hangar 7, der unweit des Tempelhofer Damms liegt, hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit beim Abschluss des Vertrages ein Sonderkündigungsrecht verankert. Dort soll einmal das Alliiertenmuseum einziehen.

Polizei als weiterer Mieter?

Während Hangars und Haupthalle in Tempelhof für die nächsten Jahre für Veranstaltungen genutzt werden sollen, ist offen, was aus den übrigen Flächen wird. Rund 60.000 Quadratmeter an vermietbaren Büro-, Lager- und Gewerbeflächen stehen zurzeit leer. Eigentlich sollen hier Unternehmen aus der Kreativwirtschaft angesiedelt werden. Doch das verläuft bislang eher schleppend. Deswegen liebäugeln Planer in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bereits mit der Idee, das Flughafengebäude stärker als Behörden-Standort zu nutzen.

Ihren Überlegungen zufolge könnte die Polizei und die Kraftfahrzeugzulassungsstelle von der Friesen- und Jüterboger Straße in das Flughafengebäude wechseln. Auf dem freigezogenen Areal könnte dann ein neues Wohnquartier entstehen. „Das ist ein guter Weg“, sagte Behördensprecherin Daniela Augenstein. Noch gibt es aber Widerstände in den Behörden, heißt es.