Flughafentunnel Tegel: Stadtautobahn immer wieder wegen Überfüllung geschlossen

Am Dienstag war es mal wieder so weit. Weil zu viele Autos und Lastwagen hinein drängten, musste der Autobahntunnel unter dem Flughafen Tegel stadteinwärts „mehrfach kurzfristig gesperrt“ werden, teilte die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) mit. Pech für die Autofahrer: Sie mussten auf nicht minder volle Stadtstraßen ausweichen.

Jetzt zeigen neue Zahlen des Senats, dass sich die Lage in Tegel verschärft hat und die Zahl der staubedingten Sperrungen dort im vergangenen Jahr wieder gestiegen ist. Wegen zu hoher Belastung war der Flughafentunnel stadteinwärts 95 Mal und stadtauswärts viermal geschlossen – insgesamt 99 Mal. Im Jahr zuvor gab es 60 solcher Sperrungen. Auch anderswo wurden Teile der Stadtautobahn gesperrt.

„Diese Autobahn ist wichtig für Pendler"

Kein Zweifel: Berlins Autobahnen sind die wichtigsten Straßen in dieser Stadt, ohne sie würde der Autoverkehr in der jetzigen Form zusammenbrechen. Jörg Becker vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADFC) kennt die A 111, zu der das 1979 eröffnete Tunnelbauwerk unter dem Flughafen Tegel gehört: Er ist dort selbst oft unterwegs.

„Diese Autobahn ist wichtig für Pendler, die nordwestlich von Berlin wohnen. Dort macht sich bemerkbar, dass die Zahl der Pendler steigt“, erklärt der ADAC-Mann.

71 Prozent mehr Pendler

Ende Juni gab es 210.000 Einpendler nach Berlin, so Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) in seiner Antwort auf eine CDU-Anfrage. Im Vergleich zu 1999 ist die Zahl um fast 71 Prozent gestiegen.

Zwar wurde die 967 Meter lange stadtauswärts führende Tunnelröhre unter dem Flughafen seltener gesperrt – nur noch viermal statt 13 Mal im Vorjahr. Aber dafür blieb eine andere Zahl auf hohem Niveau: 142 Mal mussten in dieser Röhre einzelne Fahrstreifen gesperrt werden. 2016 war das 157 Mal der Fall.

Am Dienstagmorgen wurde auch die Zufahrt Antonienstraße wieder einmal gesperrt – dort mündet mit dem Eichborndamm eine wichtige Einfallstraße aus Reinickendorf in den Flughafentunnel. Im vergangenen Jahr war sie 456 Mal dicht – im Jahr davor 452 Mal. Einen Rückgang gab es dagegen ein paar Kilometer südlich, am Siemensdamm. Die dortige Einfahrt zur A 100 war 485 Mal geschlossen, weil zu viele Autos und Lkw auf den Ring drängten – im Jahr davor war sie 554 Mal gesperrt.

228 Mal Sperrungen einzelner Fahrstreifen

Der längste Autobahntunnel Berlins, der sich auf mehr als 1,7 Kilometern durch den Neuköllner Ortsteil Britz zieht, musste im vergangenen Jahr nur neunmal wegen zu hohen Verkehrsaufkommens gesperrt werden – 2016 hatte es noch 14 solcher Unterbrechungen gegeben.

Auch andere Einschränkungen wurden seltener festgelegt. „Unterm Strich ist die Zahl aber immer noch hoch“, sagte Becker. So wurden im vergangenen Jahr 228 Mal einzelne Fahrstreifen im Britzer Tunnel gesperrt. Vor dem Tunnel wurden die Zufahrten Buschkrugallee und Britzer Damm oder eine Fahrspur 289 Mal dichtgemacht – um zu verhindern, dass zu viele hineinströmen.

Dass es in Britz weniger Sperrungen gab, sei „erfreulich“, sagte Dorothee Winden, Sprecherin von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). „Weniger Unfälle, Umleitungen oder sonstige Ereignisse, also weniger Behinderungen im Umfeld, können den Zufluss positiv verändern.“

„Am Rande der Kapazität“

Vielleicht lag es auch an den Bauarbeiten, die vor dem Tunnel auf der A 113 stattfanden, so der Grünen-Verkehrspolitiker Harald Moritz. „Dadurch wurde der Verkehr bereits dosiert, und es bedurfte keiner Dosierung an den Tunnelzufahrten“, sagte er. „Insgesamt glaube ich aber nicht, dass weniger Verkehr auf den Autobahnen unterwegs ist .“

In der Tat: Die jüngsten Zählergebnisse der Bundesanstalt für Straßenwesen belegen, dass die Belastung der Autobahnen 2016 gestiegen ist. Jörg Becker: „Die Stadtautobahn ist am Rande ihrer Kapazität.“