Berlin - Kärger ist natürlich gespannt, ob der Belastungstest gut verlaufen wird. „Ich würde mir das wünschen.“ Doch er befürchtet immer noch, dass sich der schöne neue Flughafen in den ersten Monaten seines Bestehens schon als zu klein erweisen wird. „Das wäre schade. Sehr schade“, meint Kärger.

Als er vor einigen Wochen als Komparse am BER im Einsatz war, fielen ihm einige Schwachstellen auf. „Von den Bahnsteigen des unterirdischen Bahnhofs führen jeweils ein Fahrstuhl und eine Rolltreppe nach oben in den Check-In-Bereich. Wenn da eine S-Bahn voller Fahrgäste ankommt, wird es einige Zeit dauern, bis alle oben angekommen sind“, sagt er.

Dort würden sich die Fluggäste auf  viel zu wenig Platz vor viel zu kleinen Bildschirmen stauen. In der nächsten Etappe droht dann ein weiteres Nadelöhr: „Im Terminal sind gerade mal 96 Check-In-Schalter vorgesehen, im Vergleich zu der heutigen Zahl in Tegel in Schönefeld ist das ungefähr eine Halbierung.“

Damit nicht genug: Nach der Sicherheitskontrolle müssen alle Fluggäste den Zentralen Marktplatz, die Verteilerhalle inmitten des Terminals durchschreiten. „Auch der Marktplatz ist meiner Meinung nach zu klein für die Passagierzahlen, die wir auf dem neuen Flughafen bald erwarten.“ Besonders tragisch: Anders als die Zahl der Check-In-Positionen, für die notfalls weitere Pavillons am Terminal entstehen könnten, ließe sich die zentrale Verteilerhalle aus bautechnischen Gründen nicht mehr vergrößern – außer, man würde einige der dortigen Läden oder Gastronomiebetriebe verlegen.

„Ich finde es interessant, dass die schon bald zu erwartenden Kapazitätsprobleme kaum diskutiert werden. Doch wir werden sie schon in nächster Zukunft zu spüren bekommen“, sagt der Flugkapitän. Er fragt sich, warum der BER für die Gegenwart geplant worden ist und nicht für die Zukunft. Trugen vor allem  wirtschaftliche Erwägungen dazu bei, dass derart „auf Kante genäht“ wurde? Oder war es die Furcht, noch mehr Ärger mit Flughafengegnern zu bekommen und sich für angebliche „Gigantomanie“ verantworten zu müssen?

Schon am 3. Juni, dem geplanten ersten Betriebstag werde sich zeigen, ob der Flughafen richtig bemessen worden ist. „Dann gibt es einen ersten Rush, wie an jedem Sonntagnachmittag.“ Kärger hofft, dass der BER die Probe aufs Exempel besteht.