Berlin - Ein Bibelvers heißt in der Kurzfassung: Alles Gute kommt von oben (Jakobus 1,17). Gepriesen wird dort der Vater des Lichts, also Gott. Die Kirche nimmt für sich in Anspruch, einen guten Draht nach oben zu haben. Doch von oben, also vom Himmel, kommt auch Schlechtes. Im diesem Falle kommt es aber nicht von Gott, sondern von Menschen und Maschinen: Es geht um den Fluglärm am künftigen Schönefelder Großflughafen. All jene, die im Umfeld dieses Lärmmonsters wohnen, werden künftig ständig von startenden und landenden Flugzeugen belästigt. Das stört das Leben, das stört den Schlaf, das stört das Gebet.

So sehen es jedenfalls die Kirchengemeinden in Blankenfelde und Schulzendorf-Waltersdorf und wenden sich ganz nach oben – nicht an den Herrn, sondern an eines der höchsten bundesdeutschen Gerichte: Sie klagen am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen das Potsdamer Infrastrukturministerium als Genehmigungsbehörde.

Recht auf Religionsfreiheit

Die Christen forderten mehr Lärmschutz für ihre Gotteshäuser. Blankenfelde – immerhin die am stärksten vom Fluglärm betroffene Gemeinde – geht noch weiter: Weil die Flugzeuge in nur 280 Metern Höhe über ihren Friedhof donnern würden, sollen Lautsprecher auf den Gottesacker, sonst müssten bei Beerdigungen wegen des ständigen Höllenlärms alle paar Minuten die Gebete unterbrochen werden.

Das Potsdamer Infrastrukturministerium hält die Forderungen für unbegründet: Die Belastung an den Kirchenstandorten sei „sehr gering“, der Lärmschutz ausreichend. Solche Störungen müssten geduldet werden, denn Straßen, Bahnen und Flugverkehr seien überlebenswichtig für die Mobilität der modernen Dienstleistungsgesellschaft.

Gegen eine solche profane Sicht der Dinge stellen die Kläger die höchsten Werte und berufen sich auf das Grundgesetz. Dort ist „von ungestörter Religionsausübung“ die Rede. Das Gericht soll klären, ob die Gotteshäuser wegen des Grundsatzes der freien Religionsausübung nicht sogar einen Anspruch auf höheren Lärmschutz hätten als Menschen in normalen Wohnsiedlungen. Darauf muss erst einmal jemand kommen.

Am Donnerstag mussten die obersten Richter in Leipzig dann doch kein Urteil fällen. Beide Seiten wollen noch einmal über einen Vergleich verhandeln.