Fluglärm am BER: Strafzahlungen für laute Flugzeuge

Berlin - Die Fluggesellschaften, die künftig den BER anfliegen, sollen über eine neue Gebührenstruktur dazu gebracht werden, moderne, leise Flugzeuge einzusetzen und ihre Piloten dazu anzuhalten, beim Starten und Landen möglichst wenig Krach zu verursachen. Das erklärte Engelbert Lütke Daldrup, Vorstandsvorsitzender der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB), am Freitag in Berlin. Damit beschreite die FBB in Deutschland Neuland, um die Anwohner des Flughafens zu schützen.

Die neue Struktur sieht vor, dass die Gebühren nicht mehr nach sieben   Kategorien unterschiedlich lauter Flugzeuge erhoben werden, sondern in elf Lärmklassen nach dem tatsächlich verursachten Krach. Um das feststellen zu können, wird die Zahl der Messstellen östlich und westlich des Flughafens um sechs  auf 21 erhöht.

Gemessen wird der Lärm bei jedem Start und bei jeder Landung. Die Kosten dafür werden der jeweiligen Fluggesellschaft sofort in Rechnung gestellt. Die Gebühr pro Flugbewegung werde  in der Kern-Flugzeit von 6 Uhr bis 22 Uhr zwischen 40 und 7 500  Euro betragen, sagte Lütke Daldrup. In den sogenannten Randzeiten zwischen 5 und 6 Uhr sowie  22 Uhr und Mitternacht lägen sie nochmals deutlich höher. Die Masse der Flugzeuge dürfte laut Lütke Daldrup Kosten von 100 bis 500 Euro pro Flugbewegung  verursachen. Bei einem mit 100 Passagieren besetzten Flugzeug  würde das pro Person bis zu vier Euro Unterschied beim Erlös bedeuten, was beim Preiskampf der Gesellschaften  relevant sei.

Modernes Fluggerät

Lütke Daldrup wies darauf hin, dass die Airlines mit der Rechnung sofort eine Rückmeldung erhalten und ihre Piloten zu lärmarmen Starts und Landungen anhalten können. In Berlin sei die Belastung durch die Flugzeuge an sich nicht so bedeutsam, weil Ryanair, Easyjet und Lufthansa die Stadt mit modernen Maschinen bedienen wie zum Beispiel dem Airbus A320neo.

Bei Tests über jeweils ein Jahr mit Maschinen des Typs Airbus A319 habe sich erwiesen, dass eine Startmethode, bei der die Maschine erst stark beschleunigt und dann erst mithilfe ihrer Klappen schnell an Höhe gewinnt, in der Umgebung deutlich weniger Lärm verursacht als die  Methode, schnell stark zu steigen und dann zu beschleunigen.

Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty sagte der Berliner Zeitung, man halte es für richtig, dass derjenige, der viel Krach macht, tiefer in die Tasche greifen müsse. Ohnehin gelte aber: „Keiner hat Interesse an einem Kavalierstart.“ Schon wegen des Spritverbrauchs, vor allem aber,  um  das Flugzeug zu schonen.   Fluggesellschaften und Hersteller seien immer  im Gespräch, leise Flugzeuge zu  konstruieren, weil lärmabhängige Gebühren bei einer  Lebensdauer von 30 und mehr Jahren ein starkes Kostenargument sind.

Eröffnung 2020?

Was den Baufortschritt am BER angeht, blieb Lütke Daldrup beim Eröffnungstermin Oktober 2020. Die Entrauchungsanlage habe man im Griff: „Das Monster  ist gezähmt.“

Die Entrauchungssteuerung wurde am 10. April vom TÜV abgenommen, die Anlagen der Lüftungstechnik ohne wesentliche Mängel am 23. Mai. Die maschinellen Rauchabzugsanlagen haben am 24. Mai die Prüfung bestanden. Am 28. Mai wurde  bescheinigt, dass die Entrauchungsanlage insgesamt funktioniert. Offen ist noch die Fertigstellung der Brandmeldeanlage. Damit rechnet Lütke Daldrup für Juli. Dann sei auch  die Behebung   von für die Abnahme relevanten Mängeln an der Verkabelung zu erwarten. Lütke Daldrup: „Die Eröffnung im Oktober 2020 ist aus unserer Sicht gesichert.“