Berlin - Von wegen gute Nacht: Auch im vergangenen Jahr haben Flugzeuge, die zu später Stunde oder frühmorgens in Tegel starteten und landeten, in vielen Fällen die Ruhe der Anwohner gestört. Zwischen 23 und 5.59 Uhr wurden insgesamt 1206 Flüge gezählt. Zwischen 22 und 22.59 Uhr gab es sogar 5610 Starts und Landungen. Das geht aus Zahlen für die Tegeler Fluglärmkommission hervor, die der Berliner Zeitung vorliegen.

Unter den späten Ruhestörungen litten vor allem die Bewohner der Berliner Bezirke Pankow, Reinickendorf und Spandau. Über sie führen die Tegeler Einflugschneisen und Startrouten hinweg, sie schliefen wegen Fluglärms später ein, wachten nachts oder in der Frühe auf. Im Vergleich zum Vorjahr blieb die Belastung auf hohem Niveau. 2011 wurden in Tegel zwischen 22 und 5.59 Uhr genau 6816 Flüge gezählt, 2010 waren es 7001.

Was Anwohner um ihre Ruhe bringt, ist nach Einschätzung der Flughafenbetreiber und der Verwaltung trotzdem rechtmäßig. Denn für den derzeit noch wichtigsten Berliner Airport gilt kein totales Nachtflugverbot. Stattdessen gibt es nur Flugbeschränkungen.

Die Vorgabe lautet, dass es zwischen 23 und 5.59 Uhr keine Starts, zwischen Mitternacht und 5.59 Uhr auch keine Landungen in Tegel geben sollte. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kann aber bei aktuellem Bedarf Ausnahmen genehmigen – was auch erfolgt. So gab es im vergangenen Jahr während der Sperrzeiten 165 Starts sowie 35 Landungen im Linien- und Gelegenheitsverkehr. Außerdem wurden zwischen 23 und 5.59 Uhr 82 Militär-, Polizei- sowie Regierungsflüge gezählt.

Anti-Lärm-Demo am Kudamm

Für bestimmte Flüge gelten in Tegel überhaupt keine Nachtflugbeschränkungen. So haben im vergangenen Jahr zwischen 23 und 5.59 Uhr 190 Ambulanz- und 68 Postflüge den Flughafen genutzt. 2010 hatte es zu diesen Zeiten keine Postflüge in Tegel gegeben.

Am Abend des 2. Juni sollen die Flughäfen Tegel und Schönefeld schließen – für immer. Am 3. Juni nimmt der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) den Betrieb auf. Dort gilt von Mitternacht bis fünf Uhr ein Nachtflugverbot. Mit nur fünf Stunden Dauer sei die Ruhephase aber viel zu kurz, kritisieren Anwohner. Und auch sie darf zum Beispiel von Flügen der Regierung, des Militärs oder für medizinische Hilfeleistungen gestört werden.
Anti-Lärm-Demo am Kudamm

Am Sonnabend haben zahlreiche Menschen gegen den erwarteten Fluglärm demonstriert. Die Polizei sprach von 4500, der Bürgerverein Brandenburg-Berlin als Veranstalter von über 12.000 Teilnehmern. Die Demo führte über den Kurfürstendamm zur Brandenburgischen Straße. Näher durften die BER-Gegner nicht an die Wohnung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) heran. „Wir kommen wieder“, kündigte der Verein an. Heute um 19 Uhr wird wieder demonstriert: in Friedrichshagen.